{"id":298,"date":"2017-10-07T09:05:14","date_gmt":"2017-10-07T09:05:14","guid":{"rendered":"http:\/\/sveavenus.de\/?p=298"},"modified":"2019-05-19T12:21:08","modified_gmt":"2019-05-19T12:21:08","slug":"alltag-im-ausnahmezustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sveavenus.de\/en\/alltag-im-ausnahmezustand\/","title":{"rendered":"Alltag im Ausnahmezustand &#8211; Besuch einer Geisterstadt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Hebron ist die gr\u00f6\u00dfte pal\u00e4stinensische Stadt im s\u00fcdlichen Teil des Westjordanlands und ein religi\u00f6ser Anziehungspunkt f\u00fcr Muslime, Juden und Christen, denn in der schon gesch\u00e4tzt 5000 Jahre alten Stadt befindet sich das Heilige Grab Abrahams, des Stammvaters der Juden und Araber. Gemeinsam mit Linda bin ich zu diesem Ort gefahren, wo wir erstmals hautnah einen bedr\u00fcckenden Eindruck des Nahostkonfliktes bekamen.<b> <\/b>Hebron ist heutzutage geteilt: in H1 leben ca. 120.000 pal\u00e4stinensische Araber unter pal\u00e4stinensischer Verwaltung. M\u00f6chten Juden nicht massive Gefahr f\u00fcr Leib oder Leben riskieren halten sie sich besser aus dieser arabischen Zone raus. Das Osloer 2 Abkommen untersagt es Israelis offiziell sich in pal\u00e4stinensisch kontrollierten Gebieten aufzuhalten. In H2 leben ca. 30.000 Pal\u00e4stinenser und 800 fanatische j\u00fcdische Siedler, besch\u00fctzt von mindestens genauso vielen israelischen Soldaten, was vor Ort regelm\u00e4\u00dfig zu Unruhen f\u00fchrt. Als Linda und ich nach einer etwas rasanten Busfahrt auf staubiger Piste als einzige Passagiere an der Haltestelle in H2 nahe \u201eHaram el-Khali\u201c (\u201eHeiligtum des Freundes\u201c, Abrahams Grabst\u00e4tte) ausstiegen, beherrschte eine unheimliche Stille das Stra\u00dfenbild, obwohl es mitten am Tag war.<\/p>\n<figure id=\"attachment_306\" aria-describedby=\"caption-attachment-306\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-306 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06714K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06714K-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06714K-300x200.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06714K-768x511.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06714K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-306\" class=\"wp-caption-text\">Abrahams Grabst\u00e4tte von au\u00dfen<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Die Stra\u00dfen wirkten in der Morgensonne wie leergefegt. Menschenleere H\u00f6fe, lahmgelegte Fabriken, verrammelte L\u00e4den und zerfallene H\u00e4user reihten sich in einer bedr\u00fcckenden, gespenstischen Ruhe dicht aneinander. Die hei\u00dfe, trockene und staubige Luft machte uns das Atmen schwer und lie\u00df jeden weiteren Schritt zur Qual werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_309\" aria-describedby=\"caption-attachment-309\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-309 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06718K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06718K-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06718K-300x200.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06718K-768x511.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06718K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-309\" class=\"wp-caption-text\">Menschenleere Stra\u00dfen, verlassene Geb\u00e4ude<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_310\" aria-describedby=\"caption-attachment-310\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-310 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06719K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06719K-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06719K-300x200.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06719K-768x511.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06719K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-310\" class=\"wp-caption-text\">Verrammelte L\u00e4den, Israelfahnen an jeder Ecke<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Ich kam mir zwischen den H\u00e4user auf einmal so klein, einsam und verlassen vor. Warum war niemand auf der Stra\u00dfe? Wo leben die Leute hier in dieser Stadt?<b> <\/b>Wir \u00fcberquerten einen kleinen Platz, wo einige Juden mit Kippa und staubigen schwarzen Gew\u00e4ndern Vorbereitungen f\u00fcr die anstehenden Festtage t\u00e4tigten, auch f\u00fcr sie ist der Zugang zum Heiligtum strengstens geregelt. Juden und Muslime gelangen \u00fcber getrennte Eing\u00e4nge in die ihnen zugeteilten Bereiche. Auch wir wurden nach einer Passkontrolle vor dem Eingang von einigen Soldaten kritisch gemustert, bevor wir die St\u00e4tte betreten durften, doch als \u201eneutrale Person\u201c ist es unkompliziert, die verzierten S\u00e4rge von Abraham und weiteren dort bestatteten Personen bestaunen zu d\u00fcrfen. Imposant thronte ein pomp\u00f6ser Sarg inmitten eines viereckigen, nur sp\u00e4rlich belichteten Raumes. Doch der eigentliche K\u00f6rper, so erkl\u00e4rte man uns, befinde sich angeblich in einer Kammer darunter. Im j\u00fcdischen Bereich des Heiligtums hielten sich etwa ein Dutzend j\u00fcdische Siedler auf, die dort beteten und sich auch nicht von unserem Besuch davon abhalten lie\u00dfen. Am meisten fasziniert hat mich zu sehen, mit welch Fr\u00f6mmigkeit und Hingabe die orthodoxen Juden an diesem Ort beten. Sie alle haben ihren Gebetsschal, den Tallit \u00fcber ihren Kopf gelegt und wippen beim sprechen der Gebete mit dem Oberk\u00f6rper auf und ab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_303\" aria-describedby=\"caption-attachment-303\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-303 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06711K-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"788\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06711K-682x1024.jpg 682w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06711K-200x300.jpg 200w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06711K-768x1154.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06711K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-303\" class=\"wp-caption-text\">Hebr\u00e4ische Gebetsb\u00fccher in der Machpela<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_302\" aria-describedby=\"caption-attachment-302\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-302 size-medium\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06708KLEIN-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06708KLEIN-200x300.jpg 200w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06708KLEIN-768x1154.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06708KLEIN-682x1024.jpg 682w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06708KLEIN.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-302\" class=\"wp-caption-text\">Eingang zum heiligen Sarg<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Am fr\u00fchen Nachmittag machten wir uns dann gemeinsam auf in das in H1 liegende Stadtzentrum,<b> <\/b>wozu wir die ehemalige Altstadt durchqueren mussten, einer echten \u201eGeisterstadt\u201c. Seit dem Jahr 2000 wurden etwa 1800 Gesch\u00e4fte geschlossen, mehr als 1000 \u00fcberwiegend pal\u00e4stinensische Familien sind aus der Innenstadt geflohen und \u00fcbrig geblieben sind eine Atmosph\u00e4re aus Angst, Hass und Repression, sowie ein Stra\u00dfenbild gepr\u00e4gt durch versiegelte Wohnh\u00e4user, verrostete Scharniere an den einstigen Basart\u00fcren und herabh\u00e4ngende Kabel. Die Geb\u00e4ude am Stra\u00dfenrand gleichen eher Ruinen als Wohnh\u00e4usern. Einige von ihnen sind auch schon komplett eingest\u00fcrzt und nicht mehr als ein mit Steinen bedeckter Schutthaufen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_313\" aria-describedby=\"caption-attachment-313\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-313 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06722K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06722K-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06722K-300x200.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06722K-768x511.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06722K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-313\" class=\"wp-caption-text\">Charakteristisches Stra\u00dfenbild der kleineren Seitenstra\u00dfen in H2. Die Autos geh\u00f6ren \u00fcbrigens alle den j\u00fcdischen Siedlern, da den Pal\u00e4stinensern in diesem Bereich das Autofahren komplett untersagt ist (auch erkennbar an den Kennzeichen)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Doch am herausstechensten sind wohl die israelischen Streitkr\u00e4fte der Zone H2. Alle 20 bis 50 Meter patrouillieren mit Maschinengewehren bewaffnete israelische Soldaten auf und ab. Auf dem kurzen Weg bis zum Checkpoint, um von H2 nach H1 zu gelangen, passieren wir ebenfalls eine Milit\u00e4rstation und einen Wachturm.<\/p>\n<figure id=\"attachment_315\" aria-describedby=\"caption-attachment-315\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-315 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06727K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06727K-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06727K-300x200.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06727K-768x511.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06727K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-315\" class=\"wp-caption-text\">Zerfallene H\u00e4user<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_316\" aria-describedby=\"caption-attachment-316\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-316 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06728K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06728K-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06728K-300x200.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06728K-768x511.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06728K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-316\" class=\"wp-caption-text\">Ruinen im Vordergrund, eine Milit\u00e4rstation mit gutem Blick \u00fcber die Stadt im Hintergrund<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">An nahezu jedem noch stehendem Haus wehen Israelfahnen und Girlanden leicht im Wind der hei\u00dfen Stadt, sodass die noch gebliebenen Pal\u00e4stinenser die Besatzung bei jedem Schritt sehen und sp\u00fcren k\u00f6nnen. Nur in sehr wenigen der maroden H\u00e4user auf der zentralen Stra\u00dfe harren noch immer Pal\u00e4stinenser aus und die Fenster und Balkone, hinter denen trocknende W\u00e4sche und neugierige Kinderaugen zu sehen sind, gleichen K\u00e4figen. Es sind selbst gebaute Gef\u00e4ngnisse, zum Schutz vor steinewerfenden, israelischen Siedlern. Das Milit\u00e4r ist f\u00fcr die Siedler da, nicht f\u00fcr die pal\u00e4stinensischen Familien. <span lang=\"de-DE\">Anders als in anderen St\u00e4dten des Westjordanlandes leben die Juden auch i<\/span><span lang=\"de-DE\">m ehemaligen<\/span><span lang=\"de-DE\"> Stadtzentrum. Daher kommt es immer wieder zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen j\u00fcdischen und <\/span><span lang=\"de-DE\">arabischen<\/span><span lang=\"de-DE\"> Bewohnern d<\/span><span lang=\"de-DE\">ieses<\/span><span lang=\"de-DE\"> Stadt<\/span><span lang=\"de-DE\">teils. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die Bewegungsfreiheit der in H2 <\/span><span lang=\"de-DE\">lebenden <\/span><span lang=\"de-DE\">Pal\u00e4stinenser ist stark eingeschr\u00e4nkt. Sie d\u00fcrfen die Haupt-Durchgangsstra\u00dfe, Al-Shuhada-Street, und einige weitere Stra\u00dfenz\u00fcge \u00fcberhaupt nicht benutzen. <\/span><span lang=\"de-DE\">Auf<\/span> <span lang=\"de-DE\">anderen Stra\u00dfen<\/span><span lang=\"de-DE\"> d\u00fcrfen s<\/span><span lang=\"de-DE\">ie nur<\/span><span lang=\"de-DE\"> einige kurze Abschnitte auf extra markierten schmalen Pfaden betreten. Die Haust\u00fcren <\/span><span lang=\"de-DE\">zur Hau<\/span><span lang=\"de-DE\">p<\/span><span lang=\"de-DE\">tdurchgangsstra\u00dfe wurden somit<\/span><span lang=\"de-DE\"> versiegelt. Nur wenige Familien sind <\/span><span lang=\"de-DE\">folglich in dieser Gegend<\/span><span lang=\"de-DE\"> geblieben, die <\/span><span lang=\"de-DE\">nun <\/span><span lang=\"de-DE\">ihre H\u00e4user wie Diebe \u00fcber Leitern und D\u00e4cher von der R\u00fcckseite aus erklettern m\u00fcssen, <\/span><span lang=\"de-DE\">erkl\u00e4rte uns etwas sp\u00e4ter <\/span><span lang=\"de-DE\">Mohammed ein etwa 30 j\u00e4hriger <\/span><span lang=\"de-DE\">Pal\u00e4stinenser<\/span><span lang=\"de-DE\"> in gebrochenem englisch. <\/span><span lang=\"de-DE\">Die israelischen Siedler genie\u00dfen hingegen v\u00f6llige Bewegungsfreiheit <\/span><span lang=\"de-DE\">in diesem besetzen Bereich<\/span><span lang=\"de-DE\">. <\/span> <span lang=\"de-DE\">Das Problem sei, dass Zone H2 quasi ein rechtsfreier Raum ist. Die israelische Armee ist dort zwar f\u00fcr die Sicherheit zust\u00e4ndig, allerdings nur f\u00fcr die der israelischen Siedler. Die Pal\u00e4stinenser werden in diesem Sicherheitskonzept nicht ber\u00fccksichtigt und die pal\u00e4stinensischen Sicherheitskr\u00e4fte d\u00fcrfen in dieser Zone nicht agieren, <\/span><span lang=\"de-DE\">f\u00e4hrt Mohammed nach einer langen Pause weiter fort<\/span><span lang=\"de-DE\">.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_325\" aria-describedby=\"caption-attachment-325\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-325 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06737K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-325\" class=\"wp-caption-text\">Pal\u00e4stinaflaggen im arabischen Teil, H1<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_324\" aria-describedby=\"caption-attachment-324\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-324 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06735K-1-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-324\" class=\"wp-caption-text\">Moschee in H2, Schilder sind in diesem Teil ausschlie\u00dflich auf arabisch<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wahrscheinlich gibt es in Hebron niemanden der nicht seine eigene Schreckensgeschichte zu erz\u00e4hlen hat, egal ob j\u00fcdisch oder muslimisch, <\/span><span lang=\"de-DE\">denke ich mir.<\/span> <span lang=\"de-DE\">Die Menschen in dem belebten Stadtgebiet von H1, welches offiziell unter pal\u00e4stinensischer Verwaltung steht, scheinen sich schon \u00fcber unsere blo\u00dfe Anwesenheit zu freuen, denn es ist mittlerweile eine Seltenheit f\u00fcr sie geworden, Respekt und Interesse f\u00fcr ihre Umst\u00e4nde und Lebenswirklichkeiten zu erfahren. Je l\u00e4nger Linda und ich uns in der Stadt aufhalten, desto deutlicher wird mir, wie sehr in Hebron de<\/span><span lang=\"de-DE\">r Ausnahmezustand zum Alltag <\/span><span lang=\"de-DE\">geworden ist.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_319\" aria-describedby=\"caption-attachment-319\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-319 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06743K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-319\" class=\"wp-caption-text\">Arabischer Basar<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\"> Die Kinder die hier aufwachsen kennen kein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Frieden, ohne st\u00e4ndige Waffenpr\u00e4senz. Diese Erkenntnis l\u00f6st in mir eine tiefe Traurigkeit aus und ich m\u00f6chte allen Menschen <\/span><span lang=\"de-DE\">vor Ort<\/span><span lang=\"de-DE\"> ein Leben in Frieden <\/span><span lang=\"de-DE\">und Sicherheit w\u00fcnschen, frei von der t\u00e4glichen Schikane, den Erniedrigungen, Einschr\u00e4nkungen und der allzu offensichtlichen <\/span><span lang=\"de-DE\">Perspektivlosigkeit.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><span lang=\"de-DE\">Wo <\/span><span lang=\"de-DE\">vor der zweiten Intifada<\/span><span lang=\"de-DE\"> bunte M\u00e4rkte, gesch\u00e4ftiges Treiben <\/span><span lang=\"de-DE\">und spielende Kinder<\/span> <span lang=\"de-DE\">d<\/span><span lang=\"de-DE\">as Bild der Altstadt<\/span><span lang=\"de-DE\"> bestimmten<\/span><span lang=\"de-DE\">, findet man <\/span><span lang=\"de-DE\">heute<\/span><span lang=\"de-DE\"> Stra\u00dfenblockaden, Mauern, Stacheldraht, Wacht\u00fcrme, Checkpoints <\/span><span lang=\"de-DE\">und Milit\u00e4rpatrouillen.<\/span><span lang=\"de-DE\"> Warum sind die Leute <\/span><span lang=\"de-DE\">aus der Altstadt<\/span><span lang=\"de-DE\"> verschwunden und die Mauern und Soldaten geblieben, <\/span><span lang=\"de-DE\">geht es mir durch den Kopf<\/span><span lang=\"de-DE\">?<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Am Ende der nahezu ausgestorbenen Stra\u00dfe kreuzen Linda und ich mit einem etwas mulmigen Gef\u00fchl ein Milit\u00e4rlager. Dann passieren wir ungehindert das schwer bewachte Drehkreuz mit Metalldetektor, welches einen Durchgang von der H2 Zone in die H1 Zone erm\u00f6glicht, die andernorts durch Mauern und Stacheldraht voneinander isoliert sind. Jenseits des Checkpoints sind aus Sicherheitsgr\u00fcnden nur Pal\u00e4stinenser geduldet, keine Israelis. Auf der anderen Seite ist das arabische Leben auf den Stra\u00dfen deutlich zu sp\u00fcren. A<img width=\"2\" height=\"2\" name=\"Objekt2\" align=\"left\" \/>uf der \u00fcberdachten Hauptgasse der pal\u00e4stinensischen Innenstadt dringen wir in das Labyrinth der vollgestopften L\u00e4den, Werkst\u00e4tten und St\u00e4nde ein wo eine wuselige Betriebsamkeit herrscht. Eselskarren, Mopeds, Fu\u00dfg\u00e4nger und schreiende Kinder dr\u00e4ngen sich durch die Gassen. Von den Bewohnern werden wir gleich als Touristen erkannt und h\u00f6ren auf unserer Querung des Bazars etliche Male \u201eWelcome to Hebron\u201c, \u201eNice that you come to visit Palestine\u201c. Zwei Mal innerhalb kurzer Zeit kamen einige Kinder im Alter von vielleicht 6 Jahren auf uns zugelaufen, umarmten uns und griffen nach unseren H\u00e4nden. Vielleicht waren sie neugierig wer wir waren, m\u00f6glicherweise wollten sie uns etwas zeigen, aber ganz offensichtlich schien, dass es f\u00fcr sie nicht zum Alltag geh\u00f6rte, westliche Touristen in ihrem Viertel zu sehen. Das \u00e4nderte aber nichts daran, dass sie Umarmungen der Kinder in mir gleichzeitig etwas befremdliches ausl\u00f6sten, ich hatte so etwas bisher noch nie erlebt und konnte die Geschehnisse vor Ort in diesem Moment nur bedingt einordnen. Aber auch neben den orientalisch duftenden Gew\u00fcrzen und dem bei\u00dfendem Benzingeruch in der Luft blieb uns die vorherrschende Armut nicht verborgen. Neben leerstehenden Geb\u00e4uden, quoll M\u00fcll vielerorts aus Containern, die Stra\u00dfen sahen dreckig aus und Stacheldraht und meterhohe Z\u00e4une begrenzten und trennten verschiedene Areale der Stadt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_321\" aria-describedby=\"caption-attachment-321\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-321 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06733K-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"788\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-321\" class=\"wp-caption-text\">ein stillgelegter Laden<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Es macht mich traurig zu sehen unter was f\u00fcr menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen die Leute hier zum Teil leben m\u00fcssen. Die Geschichte zeigt, dass Weltanschauungen und Religion Menschen wirklich zu allem bef\u00e4higen. Doch welche Macht Ideen, Religion und Glaube haben wurde mir erst in Hebron bewusst. Seit meinem Besuch der geteilten Stadt l\u00e4sst mich dieser Ort nicht mehr los. Doch es ist nicht nur die Unertr\u00e4glichkeit der Situation die mich besch\u00e4ftigt. Es ist vielmehr der Kontrast zwischen den Lebensbedingungen der Menschen einerseits und ihrer unendlichen Fr\u00f6hlichkeit und Lebensfreude andererseits, die sie wahrscheinlich dazu bef\u00e4higt, unter diesen Umst\u00e4nden ihre Existenz aufrecht zu erhalten. Schon v\u00f6llig \u00fcberflutet von den ganzen Eindr\u00fccken und Geschehnissen der Stadt, steigen Linda und ich am sp\u00e4ten Nachmittag in einen Minibus, der uns nach Bethlehem bringt, um uns die heilige Geburtskirche Jesus anzuschauen, bevor wir Abends m\u00fcde, ersch\u00f6pft und voller Fragen und Gedanken im Kopf nach Jerusalem zur\u00fcck kehren. \u00dcber die Begegnungen und Erlebnisse vor Ort werde ich euch in einem meiner folgenden Eintr\u00e4ge berichten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_320\" aria-describedby=\"caption-attachment-320\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-320 size-large\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06740K-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06740K-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06740K-300x200.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06740K-768x511.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/DSC06740K.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-320\" class=\"wp-caption-text\">Einkaufsstra\u00dfe in Bethlehem<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Bei all meinen bisher gesammelten Einblicken bin ich mir sehr wohl bewusst, dass es sich bei meinen Erlebnisse nur um sehr einseitige, erste Eindr\u00fccke eines hochkomplexen Konfliktes handelt und hoffe sehr w\u00e4hrend meines Aufenthaltes noch weitere Perspektiven und Standpunkte nachvollziehen zu d\u00fcrfen. Doch angesichts des Gesehenen halte ich die\u00a0Bem\u00fchungen meiner Arbeitsstelle\u00a0zur Verbesserung der israelisch-pal\u00e4stinensischen Beziehungen als absolut wichtig und unterst\u00fctzenswert.\u00a0\u00a0\u00a0Letztlich gebe ich meine Hoffnung in Israel, Pal\u00e4stina und die internationale Staatengemeinschaft nicht auf, dass es eines Tages zu einer friedlichen L\u00f6sung kommt, welche die Menschenrechte wahrt, den Bewohnern ein w\u00fcrdevolles Leben erm\u00f6glicht und die Geisterstadt Hebron wieder zum Leben erwacht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hebron ist die gr\u00f6\u00dfte pal\u00e4stinensische Stadt im s\u00fcdlichen Teil des Westjordanlands und ein religi\u00f6ser Anziehungspunkt f\u00fcr Muslime, Juden und Christen, denn in der schon gesch\u00e4tzt 5000 Jahre alten Stadt befindet sich das Heilige Grab Abrahams, des Stammvaters der Juden und Araber. 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