{"id":504,"date":"2018-05-07T15:16:45","date_gmt":"2018-05-07T15:16:45","guid":{"rendered":"http:\/\/sveavenus.de\/?p=504"},"modified":"2019-05-19T12:48:04","modified_gmt":"2019-05-19T12:48:04","slug":"fahren-feiern-trampen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sveavenus.de\/en\/fahren-feiern-trampen\/","title":{"rendered":"Fahren, feiern, trampen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Von Tel Aviv nach Jerusalem<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich im Anschluss an meine Radreise nach Rom in Israel ankam dachte ich mir, ich w\u00e4re vorerst genug Fahrrad gefahren, aber dieses Wunschdenken best\u00e4tigte sich leider nicht. Deshalb entschied ich nach langem abwiegen mir noch ein Fahrrad f\u00fcr die verbleibende Zeit zu kaufen. Aufgrund der gr\u00f6\u00dferen Auswahl kaufte ich mein Fahrrad letztlich in Tel Aviv und beschloss dann, das Fahrrad der einfachheitshalber gleich auf die Probe zu stellen, anstatt es umst\u00e4ndlichst im Bus nach Jerusalem transportieren zu m\u00fcssen. Dementsprechend machte ich mich nach erfolgreichem Kauf gleich auf den R\u00fcckweg. Der erste Teil der Strecke war recht eben, daf\u00fcr musste ich mir ausgesprochen aufmerksam den richtigen Weg aus der etwas hektischen Stadt bahnen. Danach kam ich recht gut voran, doch das Terrain ver\u00e4nderte sich von h\u00fcgelig bis hin zu wirklich steilen Anstiegen. Trotz der Anstrengung merkte ich diesmal zum ersten Male richtig, wie sehr mir das Fahrradfahren in der Zeit hier gefehlt hatte und freute mich umso mehr \u00fcber meine nicht allzu billige Errungenschaft. Ein etwas aufregendes Gef\u00fchl war es ebenfalls, als ich mit meinem Fahrrad durch die Stra\u00dfencheckpoints und Kontrollpunkte fuhr, doch zum Gl\u00fcck verd\u00e4chtigte mich niemand. Schon vor Antritt meiner Fahrt wusste ich sehr gut, dass Jerusalem auf einem Berg liegt, aber erst durch meinen sch\u00e4tzungsweise 70km langen Radausflug wurde mir so richtig bewusst, was dass in diesem Falle bedeutet, doch weit dar\u00fcber hinaus festigte die Fahrt meine Bindung zu Israel und l\u00f6ste eine neue Tiefe des Heimatgef\u00fchls in mir aus, als ich gl\u00fccklich und leicht euphorisiert am Nachmittag mein Ziel erreichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verschleiert auf j\u00fcdischer Party<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Purim ist ein ganz besonderer j\u00fcdischer Feiertag, den ich w\u00e4hrend meines Aufenthaltes hier in Israel gl\u00fccklicherweise miterleben durfte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Purim feiert die Rettung des j\u00fcdischen Volkes vor dem Plan des persischen, b\u00f6sen Politikers Haman, \u201ealle Juden vom Knaben bis zum Greis, Kinder und Frauen an einem einzigen Tag zu vertilgen, zu erschlagen, zu vernichten und ihre Habe als Beute zu pl\u00fcndern.\u201c Zum Gedenken an diesen Festtag zelebriert man diesen \u00fcblicherweise mit Familie und Freunden durch ein \u00fcberschw\u00e4ngliches Festmahl im Andenken an den Purim-Sieg \u00fcber die Feinde des j\u00fcdischen Volkes. Etwas verr\u00fcckt erscheint mir die Mizwa (religi\u00f6se Pflicht), zu \u201etrinken, bis man nicht mehr unterscheiden kann zwischen ,Verflucht sei Haman\u2018 und ,Gesegnet sei Mordechai\u2018\u201c (Talmud, Traktat Megilla 7b; Schulchan Aruch, Orach Chajim \u00a7 695:2). Die Freude des Purimfestes soll dabei helfen, die \u00fcblichen Beschr\u00e4nkungen und Grenzen zu \u00fcberwinden und auf einer h\u00f6heren spirituellen Ebene zu feiern. Ein weiterer Brauch dieses Feiertages ist es sich beim Feiern bunt und auff\u00e4llig zu verkleiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von einigen israelischen Freunden und Bekannten, die ich beim Klettern kennen gelernt habe, wurde ich ebenfalls zu einer Purimparty eingeladen und entschied mich f\u00fcr ein exklusives Kost\u00fcm \u2013 ich verschleierte mich als schwangere, konservativ-arabische Muslimin, nachdem ich mich vorher versicherte, dass an Purim alles erlaubt sei. Mit dem Outfit zog ich durchaus einige stutzige Blicke auf mich. Kurz nachdem ich den Partyraum betrat kam ein junger, durchtrainierter und von weitem selbstsicher erscheinender Typ auf mich zu und fragte sehr vorsichtig, ob es sich bei meinem Auftreten um ein Kost\u00fcm handele, oder ob ich tats\u00e4chlich Muslimin sei. Scheinbar wirkte meine Verkleidung recht authentisch. Einige andere Partyg\u00e4ste wunderten sich ebenfalls, was ich als \u201eMuslimin\u201c auf einer j\u00fcdischen Feier zu suchen hatte, bis ich sie im Gespr\u00e4ch dar\u00fcber aufkl\u00e4rte. Zu meiner Freude empfanden aber all diejenigen mit denen ich sprach meine Idee als originell und positiv an und sahen darin weder eine Diskriminierung noch eine Provokation, allerdings war die Gesamtheit der G\u00e4ste f\u00fcr israelische Verh\u00e4ltnisse nicht besonders religi\u00f6s.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich mich sp\u00e4t abends zu Fu\u00df auf den l\u00e4ngeren R\u00fcckweg machte, dauerte es nicht sehr lange bis ein \u00e4lterer, arabischer Typ in seinem noblen Gel\u00e4ndewagen neben mir anhielt und anbot mich nach Hause zu fahren. Obwohl ich weder hebr\u00e4isch noch einen Fetzen arabisch sprechen konnte, hegte er keine Zweifel an meiner religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeit. Das \u00fcberraschte mich trotz den vorherigen Reaktionen sehr. Etwas skeptisch nahm ich das Angebot an und wurde bis vor die Haust\u00fcr gefahren, doch w\u00e4hrend der gesamten Fahrt hoffte ich nur innigst, dass es nicht bemerken w\u00fcrde, dass ich keine echte Muslimin bin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mitzpe Ramon \u2013 Wanderung durch eine Mondlandschaft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuell ist in Israel die beste Zeit um Aktivit\u00e4ten drau\u00dfen zu unternehmen, bevor es zu warm wird. Daher habe ich mich mit einer Freundin und einem italienischen Bekannten von ihr auf eine 3 t\u00e4gige W\u00fcstenwanderung begeben, gestartet von der kleinen Ortschaft Mitzpe Ramon, welche zwischen Beerscheva und Eilat inmitten der Negev-W\u00fcste liegt. Das Hauptgewicht unserer gut gef\u00fcllten Rucks\u00e4cke machte der Wasservorrat aus. Hinzu kam noch ein Happen zu Essen, sowie Schlafs\u00e4cke und Isomatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von unserem Ausgangspunkt aus, stiegen wir in den Makhtesh Ramon ab, der gr\u00f6\u00dfte Erosionskrater der Negev-W\u00fcste, der in seiner Gr\u00f6\u00dften Ausdehnung \u00fcber 40 km misst. Das Landschaftsbild, welches sich uns zu Beginn der Tour bot, war spektakul\u00e4r und erinnerte beinahe an eine Mondlandschaft. Die Szenerie, die sich vor unseren Augen erstreckte war praktisch vegetationslos, stattdessen pr\u00e4gten bizarre Steinformationen, Staub, Ger\u00f6ll und Sand das Landschaftsbild. \u00dcber verschiedene recht gut gekennzeichnete Pfade und Wanderwege gelangen wir immer tiefer in die karge W\u00fcste. Einige Wegst\u00fccke folgen wir auch dem Israelischen Nationalwanderweg. Schon jetzt ist es im S\u00fcden Israels sehr warm, sodass wir nach l\u00e4ngeren Aufstiegen salzig wie das Tote Meer die Aussicht genie\u00dfen konnten. Die N\u00e4chte verbrachten wir unter freiem Himmel wobei sich uns ein fantastischer Sternenhimmel bot, ungetr\u00fcbt durch st\u00f6rende Fremdlichter. Es war f\u00fcr mich jedes Mal ein \u00fcberraschendes Erlebnis, den Temperaturwechsel zwischen Tag und Nacht in der W\u00fcste zu erleben. Wenn man nachts in seinem Schlafsack im W\u00fcstenstaub liegt, in dicke Flie\u00dfkleidung eingekleidet und den Schlafsack eng zugezogen, sodass gerade noch ein Spalt zum Atmen und Sehen \u00fcbrig bleibt, w\u00e4hrend man die Sternschnuppen z\u00e4hlt, ist der Gedanke unvorstellbar, dass man nach Sonnenaufgang f\u00fcr jeden Rastplatz mit etwas Schatten absolut dankbar sein wird. Schwer beeindruckt von der Wanderung festigte sich bei mir der Wunsch bei einem meiner folgenden Israelaufenthalte den gesamten Nationalwanderweg von Elat bis in den Norden zu laufen. Unsere Wanderung endete leider schon im Dorf Saphir, von wo aus meine Freundin und ich entschlossen nach Jerusalem zur\u00fcck zu trampen, anstatt Ewigkeiten in der Hitze auf einen teuren Bus zu warten. Wir hatten Gl\u00fcck und wurden recht schnell mitgenommen, von jemandem, der sehr lang in die selbe Richtung fuhr wie wir. Dreckig, staubig und reif f\u00fcr eine ordentliche Dusche f\u00fchlten wir uns etwas Fehl am Platze in einem piekfeinen, ger\u00e4umigen Auto eines reichen israelischen Unternehmers, schlie\u00dflich wollten wir es tunlichst vermeiden, die wei\u00dfen Ledersitze zu beschmutzen. In En Boquet, einem kleinen Touristenort am Toten Meer musste unser Fahrer noch eine kurze Erledigung machen. Wir diskutierten dar\u00fcber, die Fahrpause schnell dazu zu nutzen, uns etwas zu trinken oder gar einen Leckerbissen zu kaufen. Doch als wir unser Anliegen \u00e4u\u00dferten, deutete unser Fahrer darauf hin, wir sollten unbedingt im Auto bleiben, es schien gar so als wolle er keinesfalls mit uns gesehen werden, so verwegen wie wir aussahen. Zu unserer gro\u00dfen \u00dcberraschung brachte er uns, als er einige Minuten sp\u00e4ter zur\u00fcck kam Cola und Eis mit. Das war ein gro\u00dfer Genuss f\u00fcr uns. Auf der Weiterfahrt verriet er uns auch, nach mehrfachem Fragen, womit er sein Geld verdient. Er besitzt ein eigenes Bauunternehmen und lebt eigentlich im Norden des Landes. Momentan jedoch ist er an dem Bau der Grenzmauer zu Jordanien beteiligt und wenn man sich im Lande einmal umschaut, kann man sich denken, dass dieser Typ wirklich nicht von trocken Brot leben muss. Als wir uns nach einer langen gemeinsamen Fahrt am Abzweiger nach Jerusalem voneinander verabschiedeten, dr\u00fcckte er jedem von uns beiden noch eine Flasche mit \u201eTotem Meer Shampoo f\u00fcr gesch\u00e4digtes Haar\u201c in die Hand, mit der wir uns verdattert bis am\u00fcsiert am sandigen Stra\u00dfenrand wiederfanden. Eine nette bis absurde Geste, die uns auf jeden Fall noch eine Weile an unsere R\u00fcckfahrt erinnern wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Formeln, Fakten und physikalische Einheiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben meiner Arbeit bin ich momentan intensiv damit besch\u00e4ftigt mich auf den im Mai stattfindenden Medizinertest vorzubereiten, f\u00fcr das Erlangen einer der sehr begehrten Medizinstudienpl\u00e4tze. Obwohl die zu trainierenden Aufgaben manchmal etwas trocken sind, l\u00f6st es in mir eine gro\u00dfe Vorfreude auf das scheinbar n\u00e4her r\u00fcckende Studium aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Tel Aviv nach Jerusalem Als ich im Anschluss an meine Radreise nach Rom in Israel ankam dachte ich mir, ich w\u00e4re vorerst genug Fahrrad gefahren, aber dieses Wunschdenken best\u00e4tigte sich leider nicht. Deshalb entschied ich nach langem abwiegen mir noch ein Fahrrad f\u00fcr die verbleibende Zeit zu kaufen. 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