{"id":530,"date":"2018-08-25T18:15:49","date_gmt":"2018-08-25T18:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/sveavenus.de\/?p=530"},"modified":"2019-05-19T13:10:22","modified_gmt":"2019-05-19T13:10:22","slug":"georgkloster-und-yad-vashem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sveavenus.de\/en\/georgkloster-und-yad-vashem\/","title":{"rendered":"Georgkloster und Yad Vashem"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das heilige St. Georgskloster<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch ganz vorbei waren die Abenteuer dann doch noch nicht, und die Besichtigung des heiligen Sankt Georgskloster stand noch auf dem Programm. Nach einer erholsamen Nacht bei uns zu Hause auf der Terrasse unter sch\u00f6nstem Sternenhimmel, machten Lea und ich uns am fr\u00fchen Morgen auf in Richtung Kloster. Wir mussten dazu zum kleinen j\u00fcdischen Ort Mitzpe Jericho trampen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erstes wurden wir von einem j\u00fcdischen M\u00fclllasterfahrer mitgenommen. Zu dritt sa\u00dfen wir auf der breiten Vorderbank und genossen den Blick durch die gro\u00dfe Scheibe der LKWs nach drau\u00dfen. Das erste was uns der Fahrer mit auf unseren weiteren Weg gab, war eine deutliche Warnung davor, bei arabischen Fahrern einzusteigen. In offensichtlich ernsthafter Besorgnis um uns, gab uns der Mann dann auch noch seine Handynummer mit, damit wir ihn im Notfall kontaktieren k\u00f6nnten. Diese Art der F\u00fcrsorge und Unterst\u00fctzung habe ich in Israel wirklich sch\u00e4tzen gelernt und die gro\u00dfe Bereitschaft der Menschen bei Schwierigkeiten eng zusammen zu halten, auch ohne sich zu kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An einer gr\u00f6\u00dferen Kreuzung nahe einer Tankstelle wurden wir herausgelassen und warteten in der Sonne auf eine weitere Mitfahrgelegenheit. So wie es der Zufall wollte, hielt ein schon am Kennzeichen erkennbar arabisches Auto. Der Herr am Steuer sprach zwar nur wenig Englisch, schien aber nett und so stiegen wir ein. Was h\u00e4tte wohl der M\u00fcllwagenfahrer gedacht, wenn er gesehen h\u00e4tte, dass wir keine 5 Minuten sp\u00e4ter bei einem Pal\u00e4stinenser ins Auto stiegen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Georgskloster ist inmitten der W\u00fcste in den Fels gebaut und nur eine kleine, holprige und kaum befahrene W\u00fcstenstra\u00dfe schl\u00e4ngelt sich in Richtung des Klosters. Wir \u00fcberschlugen schon im Kopf, wie lange wir wohl brauchen w\u00fcrden, um dort hin zu laufen, da kam ein Wasserwerk-Auto auf einer Dienstfahrt vorbei gefahren und hielt netterweise f\u00fcr uns an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fahrer musste erst noch seine Sitzb\u00e4nke umbauen und Platz f\u00fcr uns im Auto schaffen. Als wir ihm unser Ziel nannten, war er ganz erschrocken. Er erkl\u00e4rte uns f\u00fcr verr\u00fcckt bis dahin laufen zu wollen. Ohne Z\u00f6gern entschied der nette Mann noch einen extra Umweg f\u00fcr uns zu fahren und uns direkt vor den Eingangstoren des Klosters abzusetzen. Auf dem Weg wurde uns klar, dass er wohl Recht gehabt hatte, da es zu Fu\u00df wirklich ein weiter beschwerlicher Weg gewesen w\u00e4re. Vom Eingang mussten wir noch ein ganzes St\u00fcckchen \u00fcber einen schmalen, steinigen Steilpfad bis zum Kloster laufen. Wir hatten wieder einmal mehr Gl\u00fcck als Verstand, dass wir nun hier stehen konnten, ohne Hitzschlag erlitten zu haben. Zu unserem Gl\u00fcck waren au\u00dfer uns auch keine weiteren Besucher da, was angesichts der abenteuerlichen Anfahrt auch nicht verwunderlich war!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In schwarzen Kutten beteten einige griechisch-orthodoxe M\u00f6nche an diesem besonderen Ort. Mit langer Kleidung durften auch wir in das direkt in den senkrecht abfallenden Fels gebaute Kloster eintreten und die Friedlichkeit und Stille dieses Ortes erleben. Das Kloster wirkte wirklich wie eine Oase in totaler Abgelegenheit und irgendwie auch lebensfeindlicher Umgebung. Die besondere Stimmung nahm uns ganz gefangen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wanderung nach Jericho<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Schatten eines einsamen Olivenbaumes vor dem Kloster machten ein kleines Picknick und begaben uns dann wie geplant auf eine gut 6 km lange Wanderung auf einem gut gekennzeichneten Pfad nach Jericho. Der erste Teil der Wanderung f\u00fchrte durch spektakul\u00e4re W\u00fcstenlandschaft entlang des \u00e4u\u00dfersten Randes einer tief abfallenden Schlucht. Der Blick in die Schlucht und in die Weite war gigantisch! Der zweite Teil f\u00fchrte vorbei an heruntergekommenen Siedlungen, Geh\u00f6ften mit Tieren und bemerkenswert \u00fcbelriechenden M\u00fcllkippen mit dem eindeutigen Gestank nach in der Sonne verwesendem Fleisch. Wir hielten uns Mund und Nase zu, bis wir schnellen Schrittes auf einer gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfe landeten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-856 size-large aligncenter\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_073940-e1551628246196-576x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"933\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_073940-e1551628246196-576x1024.jpg 576w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_073940-e1551628246196-169x300.jpg 169w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_073940-e1551628246196-768x1365.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_073940-e1551628246196.jpg 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg durch die pralle Mittagshitze kam uns pl\u00f6tzlich ein Auto entgegen und stoppte auf unserer H\u00f6he. Der Mann in dem Auto erkannte uns wieder, er war einer der H\u00e4ndler, die vor den Eingangstoren des Klosters ihre Ware verkauften. Er bot uns eine Mitfahrgelegenheit zur Altstadt Jerichos an. Dieses Angebot nahmen wir dankbar an. Der Mann wendete sein Auto und brachte uns bis auf den Parkplatz des Touristenzentrums der Altstadt. Im Schatten vor dem Zentrum machten wir kurze Rast und beobachten dabei fett gef\u00fctterte Pfauen durch die Sonne torkeln und Touristen, die sich f\u00fcr astronomische Preise wenige Meter auf einem Kamel \u00fcber den Parkplatz f\u00fchren lie\u00dfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-825 size-large aligncenter\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_063801-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_063801-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_063801-300x169.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20180524_063801-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Komat\u00f6ser Tiefschlaf <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Besucherzentrum gab es einige L\u00e4dchen und oben war eine Dachterrasse ausgewiesen. Wir stiegen bis in die Etage vor der eigentlichen Terrasse auf, da wir uns dort eine \u00e4hnliche Sicht und etwas Schatten erhofften. Unsere Erwartungen best\u00e4tigten sich und so entschieden wir unmittelbar, hier ein kleines Nickerchen zu machen. Aus dem geplanten Mittagsschlaf wurde leider ein unkontrollierter, komat\u00f6ser Tiefschlaf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pl\u00f6tzlich trat eine muslimische Frau aus ihrer Wohnung und riss uns aus unserer Ruhe. Doch anstatt uns zu vertreiben, so wie man es wom\u00f6glich in Deutschland getan h\u00e4tte, wenn wildfremde Leute auf seiner Terrasse schliefen, bat uns die junge Frau zu sich herein, zeigte uns das nagelneue Badezimmer, schaltete Klimaanlage und Fernseher ein und deutete auf ein frisch gemachtes Bett inmitten des Raumes. Noch w\u00e4hrend wir uns \u00fcberrumpelt und noch gar nicht richtig begreifend, was hier gerade geschah,bedanken wollten, verschwand die Frau spurlos hinter einer massiven T\u00fcr im hinteren Teil der Wohnung. Wir erholten uns einen Moment im Bett und schafften es dann doch noch uns aufzuraffen, um wie geplant den Berg der Versuchung zu besuchen. Eigentlich h\u00e4tten wir uns gerne noch verabschiedet, aber wir konnten trotz Suchen und Rufen niemanden mehr ausfindig machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nettigkeit statt Gesch\u00e4ft<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unten im Touristenzentrum fragten wir einen Saftverk\u00e4ufer nach M\u00f6glichkeiten zum Berg der Versuchung und dem dazu geh\u00f6rigem Kloster zu gelangen. Er bot uns an, eine Taxifahrt zu vermitteln. Nachdem wir dankend abgelehnt hatten und wir noch ein wenig weiter mit ihm geplaudert hatten, zog der Mann seinen Autoschl\u00fcssel aus der Tasche und erkl\u00e4rte sich bereit, uns selbst auf den Berg zu fahren. Perplex und hocherfreut \u00fcber dieses Angebot stiegen wir ein und besichtigten etwas in Eile das Kloster, da es schon Abend und bald geschlossen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck in die Innenstadt fuhren wir im Jeep bei einigen H\u00e4ndlern mit, die mit Klosterschlie\u00dfung auch ihr Gesch\u00e4ft beendeten und uns mitnahmen. Die Fahrer entschieden sich \u2013 wom\u00f6glich um uns zu beeindrucken &#8211; mit dem allradbetriebenen Fahrzeug eine Abk\u00fcrzung durch einen ausgetrockneten Flusslauf zu nehmen. Das war wirklich holprig, sodass die Gel\u00e4ndetauglichkeit der Maschine bei der R\u00fcckfahrt auf harte Bew\u00e4hrungsprobe gestellt wurde. Wir fanden es lustig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Alleine in der Touristeninformation<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem zentralen Platz in Jericho sahen wir den einsamen Mann in der Touristeninformation wieder, der uns ebenfalls schon von weitem wiedererkannte und etwas verdutzt dar\u00fcber schien,aus was f\u00fcr einem Fahrzeug wir ausstiegen. Umso mehr schien er sich zu freuen, dass wir heil wieder hier waren und winkte uns zu sich ins B\u00fcro. Ich fragte mich ernsthaft, ob nach unserem letzten Besuch noch andere Touristen hier gewesen waren. Im B\u00fcro fragte er ganz interessiert nach, was wir denn gesehen h\u00e4tten und wie uns die Stadt, die Menschen, die Infrastruktur und die Sehensw\u00fcrdigkeiten gefallen h\u00e4tten. Am\u00fcsiert berichteten wir ihm von Leas Schw\u00e4cheanfall kurz nachdem wir sein B\u00fcro verlassen hatten, dem Ramadanessen und dem neuen Haarschnitt, unserer Wanderung zum Georgskloster und wie wir wieder hergekommen waren. Mit gro\u00dfem Erstaunen im Gesicht meinte er auf unsere Berichte hin, dass er noch nie so seltsamen Touristen wie uns begegnet sei. Das Gespr\u00e4ch war noch nicht zu Ende, da machte der Mann deutlich, dass er eben f\u00fcr ca. eine Viertelstunde zum Gebet gehen m\u00fcsse und wir hier alleine warten sollten. Er schien fest davon \u00fcberzeugt, dass keine Touristen mehr vorbei kommen w\u00fcrden und f\u00fcr den unerwarteten Fall trug er uns auf, einfach zu sagen, dass die Auskunft schon geschlossen h\u00e4tte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die T\u00fcr hinter dem freundlichen Mann zufiel begann ich mich ausgiebig im B\u00fcro umzusehen. In einem Regal ich ein paar alt wirkende Plakate, auf denen die Highlights Jerichos und Pal\u00e4stinas mit sch\u00f6nen Fotos illustriert waren. Als der Mann wiederkam, brauchte es etwas \u00dcberzeugungsarbeit unsererseits, denn wir wollten gerne ein Autogramm von ihm auf dem Plakat haben. Er signierte es f\u00fcr uns auf Arabisch und in recht kleiner Schrift und wir schossen ein gemeinsames Erinnerungsfoto. Wir verabschiedeten uns und fuhren mit einem kleinen Bus wieder zur\u00fcck nach Jerusalem und kochten unser Abendessen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-607 size-large aligncenter\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/VRVV4997-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/VRVV4997-1-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/VRVV4997-1-300x169.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/VRVV4997-1-768x432.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/VRVV4997-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie es ist, wenn man alt und blind wird<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am kommenden Tag waren alle Freiwilligen aus dem Alyn-Krankenhaus auf einem Gruppenausflug im Erlebniscenter in Tel Aviv. Gemeinsam sollten wir erfahren, wie es ist, wenn man alt und blind wird. Dazu gab es zwei verschiedene Workshops. Bei dem ersten wurden wir von einer \u00e4lteren Frau begleitet. Wir sprachen gemeinsam \u00fcber unsere W\u00fcnsche und Bef\u00fcrchtungen im Alter und hatten die M\u00f6glichkeit selbst auszuprobieren, wie es ist, wenn die eigenen F\u00e4higkeiten nachlassen. Beispielsweise konnten wir mit schweren, plumpen Schuhe ein paar Treppenstufen hinauf gehen, um nachzuempfinden wie sich diese Alltagst\u00e4tigkeit f\u00fcr \u00e4ltere Menschen anf\u00fchlte. Bei einer weiteren Station musste man den Anweisungen einer schnellen, leisen Stimme am Telefon Folge leisten, um einen Eindruck zu bekommen, wie es ist, wenn man schlechter h\u00f6rt und langsamer denkt. Die Frau, die uns durchweg begleitete, war jedoch sehr zuversichtlich und vermittelte uns immer wieder die Nachricht, es sei nichts Schlimmes alt zu werden, sondern ein ganz nat\u00fcrlicher Prozess.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der n\u00e4chste Teil der F\u00fchrung bestand aus einer F\u00fchrung mit Blindenst\u00f6cken durch eine Reihe komplett dunkler R\u00e4ume, wobei es unsere Aufgabe war, uns zu orientieren und zu erkennen, wo wir uns aktuell befanden. W\u00e4hrenddessen sprachen wir \u00fcber die Schwierigkeiten blinder Menschen im Alltag und die M\u00f6glichkeiten neuester Technik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt war der Besuch ein wirklich beeindruckendes Erlebnis und wir nahmen durchaus Anregungen zum Nachdenken mit nach Hause.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bedr\u00fcckender Besuch des Yad Vashems<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend ich in Tel Aviv war, besuchte Lea das Holocaustmuseum Yad Vashem nicht weit von unserem Haus entfernt. Am Abend tauschten wir uns intensiv \u00fcber unsere Erfahrungen und Eindr\u00fccke aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Besonders nah ging Lea die Ausstellung mit den vielen pers\u00f6nlichen Bildern und Dingen, die den get\u00f6teten Juden geh\u00f6rt hatten. Diese Dinge vermittelten einen nur schwer aushaltbaren Eindruck davon, wie viele einzelne, leidvolle Geschichten sich im Holocaust zugetragen hatten. Nat\u00fcrlich stellte sich auch f\u00fcr Lea durchgehend die Frage, wie es zu so etwas Entsetzlichem kommen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am unfassbarsten wirkten auf mich wie auch auf sie die Berichte \u00fcber die systematischen T\u00f6tungen kleiner Kinder. Wir erinnerten uns beide an eine gro\u00df im Museum dargestellte Geschichte eines jungen M\u00e4dchen, dass mit gleichaltrigen Kindern vor einer Grube stand, um erschossen zu werden. Der ihr zugedachte Schuss traf sie nicht richtig und somit fiel sie quasi unverletzt in die Grube aus Leichen und schreienden Verwundeten. Als das grausame Massaker beendet war, schaffte sie es irgendwie aus der Grube heraus zu klettern und letztlich zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon diese eine Lebensgeschichte ist wirklich unbegreifbar und es ist nicht vorstellbar, dass dies eine von Millionen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenfalls nahe gingen uns aber in diesem dunklen, langgezogenen, unterirdischen Museum die Bilder und Berichte \u00fcber die menschenverachtenden Lebensbedingungen in den Ghettos, den Arbeitslager und die f\u00fcrchterlichen Todesm\u00e4rsche. Die Dem\u00fctigung, die die Menschen erfahren haben mussten, wenn sie auf eine Nummer reduziert wurden und arbeitsunf\u00e4hige Menschen einfach aussortiert und ermordet wurden, ist unvorstellbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neben dem Museum ist auf dem Gel\u00e4nde auch ebenfalls ein Zugwagon ausgestellt, der zu Kriegszeiten zum Transport von Juden in die Lager genutzt wurde. Auch findet man eine Ausstellung \u00fcber die Gerechten der Nationen, also Menschen die Juden trotz hohem Eigenrisikos geholfen und gerettet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bilder und Geschichten schaffen es jedes Mal wieder einen schockierenden Eindruck zu hinterlassender und tief ber\u00fchrt zu sein von den Schicksalen der vielen Menschen, f\u00fcr die es keinen Ausweg gab. Die Auseinandersetzung mit der Shoa verdeutlicht dem Besucher au\u00dferdem die Besonderheit der Existenz eines j\u00fcdischen Staates.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Deutschland, aber auch in vielen weiteren L\u00e4ndern scheint es mir ausgesprochen wichtig, dass sich (junge) Menschen mit der Vergangenheit auseinandersetzen, um zu verhindern, dass sich derart schreckliche Entwicklungen wiederholen und Hass, Rassismus und Gewalt wieder Einzug halten und einen Platz finden in unseren Gesellschaften.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Blick auf die deutsch-j\u00fcdische Vergangenheit, ist es etwas sehr Besonderes, dass Reisen und Dienste f\u00fcr uns als Deutsche in Israel m\u00f6glich sind. So k\u00f6nnen wir uns neu begegnen und kennen lernen, aber auch miteinander und voneinander lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Professionelle Weinverk\u00f6stigung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leas Zeit hier in Israel war wie im Flug vergangen und nun stand schon unser letzter gemeinsamer Tag an, wobei ich am Vormittag noch arbeiten musste. Lea nutzte den Vormittag mit einem letzten Stadtspaziergang durch Jerusalem und genoss ein letztes Mal den Blick \u00fcber die Altstadt, das D\u00e4cherdurcheinander und das enorme Aufgebot an Sicherheitskr\u00e4ften. Sie lief \u00fcber den \u00d6lberg und zwischen den historischen Gr\u00e4bern entlang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Nachmittag trafen wir uns in der Stadt und liefen noch etwas gemeinsam zu einem ruhigen Park mit einer Windm\u00fchle, um noch einmal die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Weg zur M\u00fchle war Lea pl\u00f6tzlich verschwunden, w\u00e4hrend ich meinen Weg unbeirrt zur Windm\u00fchle fortsetzte und pl\u00f6tzlich in einem kleinen, edel anmutenden Weingesch\u00e4ft stand. Lea war auf die Toilette verschwunden, wie sich sp\u00e4ter herausstellte, und als sie mich wieder fand, war ich schon dabei diverse Weinsorten zu verk\u00f6stigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich hatte dem Verk\u00e4ufer zwar vorher klar gesagt, dass ich hier nichts kaufen k\u00f6nne, aber scheinbar k\u00fcmmerte ihn dies wenig und er schenkte mir weitere Kostproben ein, mehr als mir lieb war. Lea begann schon an meiner Zurechnungsf\u00e4higkeit zu zweifeln, als sie mich wieder traf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da der Weinverk\u00e4ufer jedoch nicht nur uns beiden immer wieder nachschenkte, sondern auch sich selbst, lag die Frage f\u00fcr mich sehr nahe, ob man als Weinverk\u00e4ufer oft betrunken sei. Daraufhin holte er einen gro\u00dfen Metalleimer hinter dem Tresen hervor und zeigte uns, wie man Wein richtig verk\u00f6stigte. Erst sollten wir den Wein im Glas hin und her schwenken, dann schlucken, im Mund damit gurgeln und zu guter Letzt ausspucken. Das \u00fcbten wir einige Male gemeinsam, wobei Lea und ich uns mit aller Kraft zusammen rei\u00dfen mussten, um unsere Lachanf\u00e4lle zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als wir gehen wollten, lud uns der Weinverk\u00e4ufer, der Somalier war, wie er uns erz\u00e4hlte, noch auf ein Festival heute Nacht ein und kritzelte unleserlich seine Handynummer auf einen Papierfetzen. Wir hatten jedoch schon einen anderen Plan f\u00fcr diesen Abend. In Ruhe sa\u00dfen wir noch ein Weilchen auf der Aussichtsterrasse und waren wieder einmal fr\u00f6hlich \u00fcber die Freundlichkeit der Menschen, denen wir unterwegs begegnet waren. F\u00fcr mich kann ich behaupten, dass all diese Menschen f\u00fcr mich ein Vorbild sind, so wie sie uns mit Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft begegneten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zettelchen f\u00fcr die Klagemauer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einem sch\u00f6nen Sonnenuntergang liefen wir noch ein letztes Mal gemeinsam zur Klagemauer, wo wir vorher geschriebene, kleine Zettelchen mit W\u00fcnschen, Hoffnungen, Dank und weiteren pers\u00f6nlichen Gedanken in die Ritzen zwischen die massiven Steine der historischen Mauer steckten und markierten damit den Abschied und das Ende von Leas Reise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem R\u00fcckweg folgten wir der j\u00fcdischen Tradition, dass wir uns r\u00fcckw\u00e4rts laufend von der Mauer entfernen, da wir der Mauer und unseren dort hinterlassenen Zielen, Hoffnungen und Gedanken niemals den R\u00fccken zuwenden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am sp\u00e4ten Abend wurden wir noch vor die gro\u00dfe Herausforderung gestellt, all unsere Sachen wieder voneinander zu trennen und Leas aus allen N\u00e4hten platzenden Rucksack zu bef\u00fcllen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-568 size-large aligncenter\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/HLVC3522-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/HLVC3522-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/HLVC3522-300x169.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/HLVC3522-768x432.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/HLVC3522.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-622 size-large aligncenter\" src=\"http:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-DSC06603klein-1024x615.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-DSC06603klein-1024x615.jpg 1024w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-DSC06603klein-300x180.jpg 300w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-DSC06603klein-768x461.jpg 768w, https:\/\/sveavenus.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/cropped-DSC06603klein.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abschied am Ben Gurion Airport<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer vergleichsweise l\u00e4ppischen Gep\u00e4ckkontrolle verabschiedeten Lea und ich uns voneinander. Ich war erleichtert, dass die Sicherheitsleute nicht genauer nachgefragt hatten, ob und wo wir in der Westbank waren und ob wir dort Kontakte zu Menschen gehabt hatten. Das sind n\u00e4mlich Berichten anderer Freiwillige zufolge klassische Fragen der Sicherheitsbefragung. Das h\u00e4tte wohl ganz bestimmt eine l\u00e4ngere Inspektion zur Folge gehabt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das heilige St. Georgskloster Doch ganz vorbei waren die Abenteuer dann doch noch nicht, und die Besichtigung des heiligen Sankt Georgskloster stand noch auf dem Programm. Nach einer erholsamen Nacht bei uns zu Hause auf der Terrasse unter sch\u00f6nstem Sternenhimmel, machten Lea und ich uns am fr\u00fchen Morgen auf in Richtung Kloster. 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