Danke für die großartige Unterstützung

Sonnenuntergang in Paris
Sonnenuntergang in Paris

Nach 9498 km endete meine aufregende Reise von Göttingen nach Lissabon, Marokko und wieder zurück.

(Details der Reise unter “Aktuelles -Tour Mai 2019”)

An dieser Stelle möchte ich mich daher herzlichst bei allen Spenderinnen und Spendern bedanken. Gemeinsam haben wir ein tolles Spendenziel erreicht (seht selbst hier was wir erreicht haben) und damit Menschen geholfen.

Um zu sehen, was wir mit unseren Spenden bisher erreicht haben, klicke hier.

Ebenfalls möchte ich mich bei all denjenigen bedanken, die mich auf meiner Reise unterstützt und motiviert haben. Danke, dass Du meinen Blog besuchst, Dir die Zeit nimmst die Beiträge zu lesen. Danke für Dein Interesse an meinen Erlebnissen und die viele lieben Worte und Nachrichten. Diese haben mich unterwegs immer wieder ermutigt, mir zusätzlich Kraft gespendet und ich habe mich jedes Mal sehr darüber gefreut!

Reunited in Amsterdam und das rasche Ende der Reise

In Paris traf ich die finale Entscheidung noch einen aller letzten Abstecher nach Amsterdam zu machen, um meinen 12-jährigen Bruder Milan und meinen Vater zu überraschen. Die beiden verbrachten die Sommerferien mit dem Fahrrad in Schottland und fuhren erst die Äußeren Hebriden hoch und dann bis an die Nordspitze des Landes, insgesamt mehr als 3100km (Reiseberichte darüber unter Milan Venus).

In einigen Tagen würden sie mit der Fähre ebenfalls in Amsterdam eintreffen.

Nach einem emotionalen Wiedersehen am Fährhaften in Amsterdam und einer kurzen Stadterkundung im Nieselregen starteten die letzten knapp 500 km im Team.

Für mich ein völlig anderes Reisegefühl nicht mehr ausschließlich auf mich allein gestellt zu sein.

Am Montag 12. August erreichten wir gemeinsam müde, erschöpft aber dennoch glücklich und erfüllt unser zu Hause. Die finale Etappe war für uns ebenfalls eine letzte gemeinsame Herausforderung: von Coesfeld bis nach Göttingen waren es fast 290 km welche wir nur mit nur einer außerordentlich kurzen Nacht für uns drei bestritten. Mit ausreichend Kalorien und Wasser ausgestattet fuhren wir in die Nacht hinein, auf den kleinen Straßen war kaum Verkehr, so konnten wir nebeneinander fahren und uns unterhalten. Die Stimmung nachts ist ganz anders als am Tag und um ein Haar hätten wir fast noch einen rundlichen Waschbären überfahren, der vor uns auf die Straße hoppelte.

Nachdem ich über drei Monate unterwegs gewesen war, freute ich mich auf zu Hause, eine warme Dusche, ein leckeres Essen und einen ruhigen und komfortablen Ort zum Schlafen und natürlich darauf Freunde und Bekannte wiedersehen zu können. Jetzt schaue ich gespannt in Richtung Medizinstudium und hoffe zeitnah auf eine Zusage.

Wiedersehen in Paris

Nach 8354 km kam ich etwas müde und erschöpft in Paris an und ich hatte die große Freude nicht nur meine liebe Freundin Blanche sondern auch nach vielen Jahren ihre Familie wieder treffen zu dürfen.

Der Rückweg

Unter dem Gefühl des Zeitdruckes startete ich meine Rückreise. Wie im Akkord ging es durch Marokko zurück, in Marrakesch, Casablanca und Kenitra traf ich noch marokkanische Freundschaften die ich auf dem Hinweg kennengelernt hatte.

Marokkanischer Markt
sandige und abgelegene Landstraßen, übersäht mit Schlaglöchern und unasphaltierten Abschnitten
Thunfischfang in der Straße von Gibraltar

Jan Weber – 50€

Eine tolle und beeindruckende Aktion, liebe Svea!

Ich wünsche dir tolle Reiseeindrücke, interessante Begegnungen und natürlich ein “ordentliches” Spendenaufkommen!

Tarifa – Madrid – Lourdes – Paris

Unter angesichts der etwas expandierten Reise entschied ich mich für die kürzest mögliche Rückroute, die mich direkt nach Madrid und dann über die Pyrenäen nach Lourdes bringen sollte. Bei Festlegung dieser Route hatte ich die sommerliche Hitze im Innenland etwas unterschätzt. Bis in die Abendstunden hinein waren es teils über 40 Grad und auch nachts kühlte es nur wenig ab, hinzu kamen äußerst dünn besiedelte Wegstrecken und ein stetiges auf und ab mit teils unerwartet steilen Passagen.

Um unter diesen Bedingungen Strecke machen zu können und da ein Wetterumschwung nicht absehbar war, entschied ich die frühen Morgenstunden zu nutzen: das hieß um halb 4 morgens aufstehen und los fahren, mittags etwas Pause machen und möglichst vor Sonnenuntergang einen ruhigen Nachtplatz finden.

Vor Sonnenaufgang waren quasi keine Autos auf den Straßen, dennoch kamen mir mehrfach Rennradfahrer entgegen, was mich in meiner Strategie bestärkte.

In Madrid hätte ich gerne etwas mehr gesehen und erlebt, jedoch muss ich gestehen, dass der Aufenthalt eher der Erholung galt als den Besonderheiten der Stadt.

Von Madrid ging es dann über die Pyrenäen in die heilige Stadt Lourdes.

Den Besuch dieser besonderen Stadt widmete ich meiner lieben französischen Freundin Blanche, welche jedes Jahr an einer Wallfahrt nach Lourdes teilnimmt um dort mit weiteren Jugendlichen alten und kranken Menschen ermöglicht diesen Ort zu besuchen. 1858 soll dort die 14-jährige Bernadette die Marienerscheinung gesehen haben, seitdem reisen immer mehr Pilger an diesen Ort und hoffen auf ihre Heilung.

Hinter Lourdes regnete es nach einer für mich endlos lang wirkenden Zeit wieder… wie angenehm es war, das frische Nass auf der Haut zu spüren, dem leisen Geplätscher zu lauschen, den intensiven Waldgeruch zu riechen und nicht mehr diese staubtrockene Luft einatmen zu müssen.

Gerne hätte es noch etwas länger so bleiben können, aber als ich das nächste Mal einige Tropfen vom Himmel fallen sah, war ich bereits kurz vor Paris.

Die Schere zwischen Arm und Reich

Auf meiner gesamten Reise ist mir die beachtliche Schere zwischen Arm und Reich aufgefallen, insbesondere in der Stadt Casablanca, wo sich unzählige Slums zwischen Luxusvillen, noblen Hochhäuser und edlen Geschäften befinden. Besonders eindrucksvoll waren für mich zwei völlig verschiedene Begegnungen auf meiner Reise, die ich mit Menschen in Agadir und Marrakesch hatte.

Ankunft in Agadir

Etwa gegen Mittag kam ich in Agadir an. Ich war etwas gestresst von der Einfahrt in das Stadtzentrum, sodass ich mich gleich auf die Suche nach einem ruhigen Strandabschnitt machte, als ein weißer, großer Geländewagen neben mir hielt. Darin saßen ein Mann mit Hemd und Anzug und seine Frau, gekleidet in Top und Hotpants. Sie fragten mich, wohin ich unterwegs sei und ich erzählte ihnen von meiner Reise per Rad.

Blick auf Agadir
Blick auf Agadir
die bergige, steile Straße nach Agadir
die bergige, steile Straße nach Agadir
Küstenstraße
Küstenstraße

Nach einem sehr kurzen Gespräch forderten sie mich überraschend auf ihnen zu folgen und boten mir an, mich bei ihnen zu Hause etwas auszuruhen. Angesichts meines Erschöpfungszustands nahm ich das Angebot dankbar an und wenige Minuten später befand ich mich in einer der teuersten Wohngegenden der Stadt. Mein Fahrrad und ich standen völlig unerwartet in einer modern eingerichteten Designerwohnung und mit Balkon und Blick über das Meer. Ich duschte, stopfte meine Wäsche in die Waschmaschine und wenige Minuten später klingelte ein Lieferservice an der Tür, der unser Mittagessen brachte. Mit dieser Art der Verpflegung hatte ich in diesem Moment wohl am wenigsten gerechnet.

Fassungslosigkeit über meine Reise

Nachdem ich etwas auf dem Klappsofa im Wohnzimmer geschlafen hatte, wurde ich von meinen Gastgebern Ibrahim und Nina nach meinen ursprünglichen Plänen befragt.

mein Schlafplatz im Wohnzimmer
mein Schlafplatz im Wohnzimmer

Ich erwiderte, dass ich zum Strand gehen wollte, woraufhin sich die beiden nur ungläubig anschauten. Offensichtlich würden sie niemals zur Erholung an den Strand gehen. Sie schlugen mir deshalb vor mich in ein Hotel mit einem Wellness-Spa-Saunabereich zu bringen, was ich dankend ablehnte. Ibrahim erklärte seinen Beruf einzig als „Businessman“, was auch immer dies heißen mochte. Nina arbeitete selbständig als „Makeupartistin“ und hatte ihre Ausbildung in den USA absolviert.

Frühstück in einem Luxushotel in Agadir
Frühstück in einem Luxushotel in Agadir

Wir unterhielten uns sehr angeregt und sie stellten äußerst viele Fragen – ich hatte das Gefühl sie wollten wirklich begreifen was für eine Reise ich machte und wie ich das ganze anging. Andererseits brachten sie trotz einer offensichtlichen Vertrautheit mit der westlichen Welt deutlich zum Ausdruck wie unvorstellbar diese Reiseform für eine Frau auf die Marokkaner wirkte.

Marokkanisches Outfit und wunderbare Aussicht über Agadir
Marokkanisches Outfit und wunderbare Aussicht über Agadir

Der leere Kühlschrank

Am späten Nachmittag hatte Nina noch einen Termin in der Stadt und Ibrahim sein regelmäßiges Fußballtraining. Mir wurde freigestellt was ich tat und somit entschied ich zu Hause zu bleiben und nach Langem mal wieder Tagebuch zu schreiben. „Fühl dich bei uns wie bei dir zu Hause“, war der Satz der mir noch zum Abschied mitgegeben wurde, bevor die zwei das Haus eilig verließen. Als mich eine Weile später der Hunger überkam, warf ich einen hoffnungsvollen Blick in den Kühlschrank und zu meinem großen Entsetzen war der riesige Eisschrank nahezu leer. Ganz hinten stand ein Glas alter Honig und einige Joghurttöpfe; mehr nicht. Damit hatte ich in diesem Moment nicht gerechnet, wie ich später erfahren sollte wurde die Ernährung der Familie nahezu ausschließlich durch Lieferdienste und Restaurants gewährleistet.

Arabische Bars

Am Abend, als Nina und Ibrahim wieder zurück waren, luden sie mich in eine Bar ein. Dazu wurde mir ein schwarzes Kleid geliehen und ich wurde geschminkt. Mein marokkanisches Outfit belächelten sie etwas und erachteten es nicht als repräsentative Kleidung ihres Landes, entgegen aller Meinungen, die ich bisher von Marokkanern gehört hatte. Offenbar wollten sie sich erkennbar von den traditionellen und konservativen Werten und Tugenden ihres Landes distanzieren.

edler Nachtclub in Agadir
edler Nachtclub in Agadir
edler Nachtclub in Agadir
edler Nachtclub in Agadir

.In der Bar gab es unglaublich teures Essen, eine landesweit sehr bekannte Band spielte laute Musik und neben Saft und Wasser wurden Wein und Champagner mit weißen Handschuhen serviert. Freunde und Bekannte kamen vorbei, die teilweise selbst eigene Unternehmen besaßen oder wichtige Positionen in der Regierung hatten. Alle waren fassungslos angesichts meiner Reise und daraufhin verhalfen sie mir im Nu zu einem Presseinterview am folgenden Tag.

Trotz der vielen freundlichen und sehr großzügigen Einladungen und dem Angebot auch für längere Zeit bei ihnen zu wohnen, fühlte ich mich nicht gänzlich wohl. Ich wurde immer wieder stolz den Menschen die wir trafen vorgestellt. Gleichzeitig hatte ich aber das Gefühl nicht wirklich ich selbst sein zu können. Ich fühlte, als müsste ich mich ständig anpassen und eine entsprechende Maske tragen, als ginge es lediglich darum sich gut zu präsentieren, nicht wirklich darum wer man war.

Kochabend zu Hause

Drei Nächte verbrachte ich insgesamt bei ihnen, alle gemeinsamen Mahlzeiten nahmen wir außer Haus zu uns, was auch den leeren Kühlschrank erklärte, bis auf den letzten Abend. An diesem Tag kamen 3 Köchinnen vorbei um für die Familie und einige Gäste zu kochen. Aber bevor es losgehen konnte wurde gemeinsam eingekauft in einem recht großen und noblen Kaufhaus mit europäischen Preisen. Es wurde wirklich alles Erdenkliche gekauft, neben Lebensmitteln und Gewürzen kauften wir noch diverses Küchenequipment, einen Grill und eine riesige Tonform um Gemüse darin zu garen. Wieder zurück wurde der Großeinkauf auch nicht von uns ins Haus getragen sondern von einem hauseigenen Service.

Blick vom Balkon über das Meer
Blick vom Balkon über das Meer

Danach machten sich die Köchinnen gleich ans Werk ein 3-Gänge-Menu zu fabrizieren. Es gab Fisch und Meeresfrüchte für mich gab es Salat, Reis und gegrilltes Gemüse sowie würzigen Schafkäse. Als der Abend vorbei war, sah es in der Küche aus wie auf einem Schlachtfeld. Reste vom Fisch, Gemüse und Reis waren überall verteilt, selbst auf dem Fußboden. Schmutziges Geschirr türmte sich auf der Spüle neben Pfannen und Töpfen. Seltsamerweise schien sich niemand dafür in der Verantwortung zu sehen oder gar daran zu denken hier aufräumen zu wollen. Als hätte er meine Gedanken erraten, erklärte mit Ibrahim, dass dies morgen von der Putzfrau sauber gemacht werden würde. Nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu, dass diese jeden Tag kommen würde, um sich um den Haushalt zu kümmern.

Einkaufszentrum in Agadir
Einkaufszentrum in Agadir

Obwohl sie mich gerne noch viel länger bei sich beherbergt hätten, entschied ich die letzte Nacht in Agadir auf einem Campingplatz zu verbringen um morgens ganz früh starten zu können, mit einer äußerst anstrengenden Etappe.

Wüste zwischen Agadir und Marrakesch
Wüste zwischen Agadir und Marrakesch
Wüste zwischen Agadir und Marrakesch
Wüste zwischen Agadir und Marrakesch
Wüste zwischen Agadir und Marrakesch
Wüste zwischen Agadir und Marrakesch
Stausee in der Wüste zwischen Agadir und Marrakesch
Stausee in der Wüste zwischen Agadir und Marrakesch

Zurück in Marrakesch – wie aber sieht ein gutes Leben nun aus?

Zwei Tage später kam ich nachmittags in einem kleinen Dorf an, ca. 20 km östlich von Marrakesch gelegen. Der 24-jährige Mhido hatte mich bei meinem ersten Besuch in der Stadt eingeladen zu seiner Familie in das Dorf Choiter vorbei zu kommen. Es war eine ärmliche Wohngegend. Das Haus in dem er mit seinen beiden Eltern und seinem größeren Bruder Raschid lebte war recht klein und aus Beton selbst gebaut.

Im Haus gab es im Wohnzimmer eine elektrische Lampe und in der Küche einen Gasherd und einen Wasserhahn. Eine einfache Toilette befand sich hinter dem Haus, wo es ebenfalls einen Wasseranschluss gab, um sich zu waschen und die Wäsche zu machen. Ebenfalls besaßen sie einige Schafe und Hühner die in einem kleinen Stall lebten.

Als ich ankam wurde ich schon erwartet und mit großer Freude und Herzlichkeit empfangen. Vor meiner Ankunft hatte ich noch etwas frisches Obst und getrocknete Datteln für sie gekauft. Ich glaube ich habe noch nie zuvor in meinem Leben Menschen durch so eine einfache Geste eine so unglaublich große Freude gemacht. Es war für mich erstaunlich zu sehen, wie sehr sie die kleinen und lebensnotwendigen Dinge immer wieder schätzten und sich daran erfreuten.

Ankunft in der Gastfamilie
Ankunft in der Gastfamilie

Es war mir fast etwas unangenehm mit anzusehen, welche Mühen sie auf sich nahmen, um mir für die Zeit meines Aufenthaltes ein eigenes Zimmer in ihrer Wohnung bereit zu stellen. Alles was sie hatten wurde ausnahmslos mit mir geteilt.

Ausflug in die Berge

Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs
Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs
Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs
Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs
Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs
Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs: Besuch eines kleinen Cafés, welches direkt in einen eiskalten Fluss hineingebaut wurde
Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs
Wasserfall: Ausflug in die Berge nahe Marrakeschs

Gastfreundschaft trotz Schwierigkeiten

Schon früh morgens stand die Mutter Maisha nach Sonnenaufgang auf, betete und bereitete das Essen für den Tag vor aus dem was sie hatten. Morgens gab es immer Haferbrei und dazu eine Tasse schwarzen Kaffee, abends aßen wir gemeinsam selbstgebackenes Fladenbrot, welches wir in Olivenöl tunkten. Hassan, der Vater der Familie arbeitete den ganzen Tag etwas außerhalb auf dem Feld und kam immer erst spät Heim. Raschid hatte gerade sein Studium in Betriebswirtschaft beendet und klagte über die Probleme auf dem marokkanischen Arbeitsmarkt. Sein Fazit war, dass man ohne gute Beziehungen keinerlei Aussichten auf einen sicheren Job hatte und er bisher keine positiven Rückmeldungen hatte, trotz zahlreicher Bewerbungen.

Abreise aus Marrakesch
Abreise aus Marrakesch

Besonders berührend fand ich aber vor allem zu sehen, wie offen sie über ihre Situation sprachen und wie eng die Familie zusammen hielt. Sie zeigten sich so ehrlich und verletzlich. Ich hatte bei ihnen den Eindruck bedingungslos angenommen zu werden und von ihnen wertgeschätzt zu werden, ohne das ich etwas für sie tat. Für mich war es keine einfache Erfahrung von einem Extrem ins Andere zu kommen. Ich musste feststellen, dass ich mich in der Familie von Maisha und Hassan deutlich wohler fühlte als bei Nina und Ibrahim, auch wenn dort süßer Tee statt Champagner serviert wurde.

Choiter
Choiter
Choiter
Choiter

Euphorie und Ernüchterung

Die Tage in Agadir vergingen schnell – nette Begegnungen, nahrhaftes Essen, einen ruhigen und erholsamen Ort zum Schlafen und sogar eine Waschmaschine für meine teilweise schon etwas muffig riechende Wäsche sorgten für einen unvergesslichen Aufenthalt. Doch in diesen Tagen realisierte ich erstmals richtig, dass diese Strecke von über 5000 km nur der Hinweg war und ich auch alles wieder zurück fahren müsste, was gerade in den Monaten Juli und August mit einigen zusätzlichen Strapazen durch brüllende verbunden sein könnte…

Abends im Bett ließ ich die Reise revupassieren: 5134 km Wegstrecke, Schweiß, Herzblut, harte Arbeit, Disziplin, Durchhaltevermögen, Spaß, Erfahrungen, Hilfsbereitschaft, Freundschaften, Leidenschaft  und der klare Glaube an das anvisierte Ziel und der unablässige Wille es zu erreichen.

Einkaufszentrum in Agadir
Einladung zu marokkanischem Salad und Tee am Wegesrand
Picknick
Sonnenuntergang über Agadir
Steigungen und fantastische Aussicht
Abgelegene Wüstenstraße
Fotos am Straßenrand
Verzierung eines Tellers mit meinem Namen – ein weiteres Geschenk
Selfis am Straßenrand
Sardinenverkauf am Wegesrand
Verlassene Häuser
Fischfang mit einfachsten Mitteln
Traditionelle arabische Bekleidung

Aufbruch in Agadir und der Beginn eines ewig langen Rückwegs

Nach etwas Erholung, einigen pompösen Partybesuchen mit lauter arabischer Musik folgte noch ein Presseinterview auf französisch.

Dazu hatte mir meine Gastfamilie in Agadir durch ihre guten Connections verholfen. Für das Interview traf ich mich mit dem Reporter nachmittags in einem kleinen Café, der sich wirklich Zeit nahm für die Fragen. Ich war ebenfalls wie abgesprochen samt meinem gepackten Fahrrad und entsprechender Bekleidung erschienen, um noch ein Foto für den Artikel zu schießen.
Obwohl ich die dem Interview folgenden Aufnahmen nie zu Gesicht bekam, hatte ich vertrauen in die Expertise des Journalisten. Umso erstaunter war ich als der erste Artikeln erschien, aber seht selbst:

Artikel 1

Ich bin mir sicher dem Journalisten war bei der Verwendung des Bildes nicht bewusst, dass er dabei die Urheberrechte Ullrich Schuberts verletzte, ganz im Gegenteil sehe ich die Verwendung als eine Hochachtung der fotografischen Leistung an.

Artikel 2 und Artikel 3 

Bleibt also nur noch die Frage offen seit wann ich in Hannover lebe und dort im 2. Jahr Medizin studiere? Grundsätzlich kann ich mich mit dieser Aussage anfreunden, gibt mir aber schon recht arg an meinem Französisch zu zweifeln…

Am nächsten Tag brach ich dann in Herrgottsfrühe auf, um auf einer anderen Route wieder nach Marrakech zu gelangen.

Das arabische Mallorca Agadir

Von Casablanca aus ging meine Route noch etwas weiter an der Küste entlang und durch die recht touristischen Orte Al Jadida und Safi. Zwischen den größeren Küstenorten fand man jedoch kaum Infrasruktur. Manchmal überkam mich wirklich ein bizarres Gefühl, wenn ich so einsam mit meinem Fahrrad durch die karge, heiß-trockenen Wüstenlandschaft tuckerte. Zwischen den winzigen Siedlung fand man manchmal Schäfer mit einigen Schafen, die die dürren Halme zwischen Sand und Steinen abknabberten. Ganz egal ob arm oder reich die Leute hier wirken nett und fröhlich. Oft winkten oder grüßten sie mich freundlich, immer wieder hielten Leute für mich an und baten mir Wasser, Saft oder einen Happen zu essen an oder fragten mich nach einem gemeinsamen Selfi am Straßenrand. Von Safi aus bestritt ich 160 km brüllendheiße Wüstenstraße, bis ich am Nachmittag etwas erschöpft aber sehr glücklich in Marrakech angelangte. Ursprünglich hatte ich geplant, nach meiner Ankunft und etwas Pause in Marrakech, diese recht touristische Stadt zu besichtigen und dann den Rückweg anzutreten. Letztlich kam aber alles anders. In Marrakech war es mir zu warm und außerdem hatte ich das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung nach den vergangenen Etappen. Deshalb gelang mir das Sightseeing, so wie es massenweise anderen deutsche Touristen hier zu tun pflegen denkbar schlecht. In anderen Worten sah ich quasi gar nichts von der Stadt, ich schaffte es gerade einmal etwas über den zentralen Marktplatz zu laufen bis hin zur völlig überfüllten Altstadt. Doch ich lernte viele nette Marokkanerinnen und Marokkaner kennen, wurde in die ulkigsten Restaurants eingeladen und musste unzählige Heiratsanträge ablehnen. Gut gestärkt entschied ich dann noch bis nach Agadir weiterzufahren. Eine ziemlich anstrengende, steile und heiße Strecke, aber des Weges halber hat sich die Weiterfahrt gelohnt. Jetzt bin ich nach über 5100 km in Agadir angekommen; eine pompöse, touristische Stadt, die mich eher an Mallorca erinnert, als an eine arabische Küstenstadt. Hier habe ich das große Glück für zwei Nächte in einer sehr wohlhabenden Gastfamilie unterkommen zu können.
Für den Rückweg habe ich eine Alternative, nicht aber jedoch weniger anstrengende Rückroute ausfindig machen können die mich nochmals nach Marrakech bringt, denn ich möchte dieser besonderen Stadt nach dieser unglaublichen Anreise noch eine 2. Chance geben und die Menschen die ich dort kennen gelernt habe ebenfalls wiedersehen. Auch werde ich in Casablanca, Rabat und einer kleinen Stadt Namens Kenitra auf meinem Rückweg nochmals halt machen um die hier geknüpften Freundschaften zu festigen. Diese vielen Begegnungen und das intensive Kennenlernen des Landes aufgrund der Durchquerung mit dem Fahrrad geben mir das Gefühl einer starken inneren Verbindung zu Marokko und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass morgen der Rückweg beginnt, am liebsten wäre ich noch endlos weiter gefahren…

Casablanca – Stadt der Gegensätze

Nach einigen Tagen Aufenthalt in Rabat fuhr ich in einer gemächlichen Etappe entlang der Küste nach Casablanca. Casablanca ist mit ca. 3,3 Millionen Einwohner die größte Stadt Marokkos und verfügt über einige sehr beachtliche Sehenswürdigkeiten.
In Casablanca befindet sich direkt an der Atlantikküste die Hassan II Moschee, die fünftgrößte Moschee weltweit, welche mit ihrem 210 Meter hohen Minarett das höchste religiöse Bauwerk der Welt darstellt. Doch die Strecke von Rabat nach Casablanca hat mich einiges an Nerven gekostet, denn auf dem Weg dorthin, sowie auch in Casablanca selber sieht man jede Menge an Armut, Elend, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und eine gewaltige Ansammlung an Frustration. Zerfallene Bungalows ohne Fenster, Hütten aus Plastik und Wellblech, Müllberge und gespenstische, unvollendete Plattenbauten in denen Menschen zusammengerecht lebten zeichneten das Strassenbild hierher. Dazwischen Kinder die zwischen Staub und Dreck spielten, abgemagerte Tiere die nach etwas Nahrung suchten und Menschen die ihren Müll vor der Haustür verbrannten. Ab und zu wehte ein heißer feuchter Wind zu mir herüber, gemischt mit einem Geruch von verbranntem Plastik und Verwesung der mir auf meinem Fahrrad fast den Atem verschlug. Als ich in der Stadt eintreffe sehe ich den hohen Moscheeturm schon von weitem, als ich mich langsam nähere stoppte ich plötzlich kurz. Vor mir das Meer und die riesige Moschee, rechts von mir eines der edelsten und teuersten Kaufhäuser des Kontinents mit maßlos teurer Kleidung u d Werbung um mit tropischen Fischen in einem Aquarium zu tauschen, während sich links von mir wohl eines der ärmsten und elendesten Viertel der Stadt befindet, gebaut aus einfachsten Materialien und umgeben von den sogenannten “Mauern der Schande”. Ich schiebe von hier aus mein Fahrrad angestrengt etwas weiter durch die laute, hektische, schmutzige Straße bis ich vor dem riesigen Bauwerk stehe, wo Familien für Erinnerungsfotos in der hellen Sonne posieren. In meinen Gedanken versunken mache ich mich auf in die Altstadt, wobei ich immer wieder schockiert wie dicht Arm und Reich hier beieinander liegen, wie gut es uns in Europa doch geht.

Marokko

Nach 3 Tagen Fahrt durch Afrika bin ich nun in Rabat, der Hauptstadt Marokkos angelangt. Von hier soll es noch weiter nach Casablanca und Marrakech gehen, bevor ich meinen Rückweg bestreite. Die paar Tage hier in Afrika fühlen sich an wie Monate, es prasselten einfach in diesen paar Tagen unglaublich viele neue Eindrücke auf mich ein.

Wohin geht die Reise?

Gut erholt startete ich in Lissabon und fuhr voller Freude und Erfüllung innerhalb von 3 Tagen nach Tarifa, der südlichste Ort Europas. Doch wie geht es dann weiter? Von Tarifa kann man Afrika schon sehen, ein unwirkliches Gefühl. Also entschied ich mich für die Fähre nach Tanger, eine ruhige Hafenstadt in Marokko um meine Reise fortsetzen zu können.

Herzlichkeit in Lissabon

Lissabon werde ich nicht nur mit einem unglaublichen Ziel für eine Fahrradreise verbinden, sondern auch als eine Stadt für ungeahnte Begegnungen. Während meines Aufenthaltes traf ich bis dahin unbekannte Verwandschaft in Lissabon und eine alte Schulfreundin meines Vaters welche ebenfalls mittlerweile hier wohnt. Außerdem traf ich überraschenderweise Alienor, die Schwester meiner lieben französischen Austauschschülerin Blanche, die momentan in Landolfshausen auf dem Bauernhof ein Praktikum macht und bei meinen Eltern wohnt.

In anderen Worten: die Reise verging bisher wie im Flug und ich war selten sonst so glücklich und erfüllt wie in diesen Wochen, weshalb es für mich außer Frage stand, noch etwas weiter zu fahren.

DE PESQUIDOUX – 150€

Belle aventure, une fois encore ! Nous sommes heureux de suivre ton voyage, et que le trajet en France s’est bien passé. Meilleurs souvenirs. Nous pensons bien à toi. Emmanuelle et Jacqu

Peter – 50€

phantastische Unternehmung prägende Erlebnisse verbindende Botschaft alles Gute und starke Erinnerungen Peter

Kilometer Nummer 3276 und der Moment wenn Träume zur Wirklichkeit werden

Gestern Abend erreichte ich müde, erschöpft aber unglaublich glücklich die langersehnte Stadt “Lisboa”.

Die letzten Etappen waren lang und die Sonne hat hier unten schon ganz gut Kraft, was sich insbesondere bei den Steigungen bemerkbar machte. Ein ausgeblichenes Top und eine Salzkruste, gemischt mit Sonnencreme und Strassenstaub auf der Haut sind davon die Folge. Mein derzeitiges Gefühl sagt mir, dass ich eine gute Entscheidung bei der Wahl meines Zieles getroffen hatte, als ich mein Fahrrad bei meiner Ankunft an der hell beleuchteten Uferpromenade entlangschob mit Tränen der Freude und in den Augen, immer noch nicht richtig begreifen können wo ich tatsächlich war.

Brasilianische Freundschaft

Nach 3 Tagen Aufenthalt wollte ich mich eigentlich wieder auf den Weg begeben Richtung Zielstadt Lissabon. Doch dann lernte ich die Brasilianer Miriam und Fernando kennen, die zu einem Psychoanalyse-Seminar in Portugal waren und noch etwas Zeit in Porto verbrachten. Sie waren beide recht beeindruckt von meiner Tour und was ich sehr erstaunlich fand war, dass Miriam schon aus weiter Ferne, als ich mein Rad gerade über eine überfüllte Brücke schob, erkannte, dass ich eine besondere Beziehung zu diesem Vehikel hatte.

In ihrer Nettigkeit luden sie mich zu einem üppigen Mittagessen ein, danach sprangen wir in den Duero-Ricer, der nicht weit von hier ins Meer mündete und da ich aufgrund der intensiven, gemeinsamen Zeit noch länger blieb, ermöglichten sie mir sogar auf dem Klappsofa in ihrem Recht geräumigen Hotelzimmer zu übernachten.

In Freundschaft verabschiedeten wir uns am Morgen und mit dem Versprechen uns wenn die Zeit gekommen ist wieder zu sehen.

Daraufhin verließ ich Porto, was umständlicher als erwartete war und mich einzigst Kraft und Nerven kostete. So entschied ich noch eine Nacht am Atlantik zu verbringen, Strand und Wellen zu genießen bevor mich die Euphorie zum nächsten Ziel reißen würde.

José – 20€

Olá Svea,

bei meiner Reise fragte mich mal einer …

Er: “Woher kommst du?”
Ich: “Ach aus Deutschland (Alemanhá)”
Er antwortet mit erstaunten Gesicht: “Echt? Aus Deutschland bist du los gefahren? Boh ey!
Ich ganz rötend: “Nein, ich bin nur von Porto los…”
Er: “Achja dann…”

Wenn ich nun aber von dir lese was du machst, dann krieg ich nun den gleichen Gesichtsausdruck wie er damals!

Deshalb, hoffe ich du genießt die Zeit und hast weiterhin ein Herz für Menschen. Und, fahre vorsichtig!

Gruß,
José