Kleines Land – große Vielfalt

Israel, das Land welches kaum größer ist als Hessen und über etwas mehr als 8 Mio. Einwohner verfügt, hat landschaftlich und kulturell umso mehr zu bieten. Auch ich hatte schon das Glück etwas herumreisen zu können, um mir selbst einen Eindruck der einmaligen und unvergleichlichen Orte zu verschaffen. Da das Land so klein ist und Jerusalem so zentral liegt, ist es gut möglich an freien Tagen bereichernde Tagestouren zu unternehmen. Meine erste Unternehmung startete ich in Begleitung von Mae, einer Freiwilligen die ebenfalls im Alyn-Hospital gearbeitet hat, in Richtung Totes Meer. Für mich sind es hier die ersten Reisen im Land, für Mae sind es die letzten, bevor sie nächste Woche auf die Philippinen in ihre Heimat zurück fliegt, um dort nach einer längeren Auszeit als Immobilienmaklerin weiter zu arbeiten.

Umso spannender ist es für mich, was sie von ihren Erfahrungen im Land und auf der Arbeitsstelle erzählt, wie mütterlich sie über die Kinder spricht und mit der Zeit immer besser gelernt hat, auf kleine Zeichen im Gesicht der Kinder zu achten um ihre Wünsche zu verstehen. Nach einer Busfahrt in einem völlig unterkühlten Bus, durch staubige, trockene Wüstenlandschaft und erstaunlichen, in der Hitze flirrenden Sandformationen, erreichten wir das Tote Meer.

 

Wüstenlandschaft auf der Anreise zum Toten Meer

Ich war wahnsinnig gespannt, in dem extrem salzigen und ungeahnt heißen Salzwasser zu baden und nun stehe ich davor. Mit einem Salzgehalt von über 33% ist dieser fast 10 mal so hoch wie im Mittelmeer. Wegen des unglaublich hohen Salzgehaltes haben sich an vielen Stellen bizarre Salzsteinformationen gebildet, die geradezu gespenstisch aus dem Wasser ragen und am Ufer einen weißen Salzsaum bilden. Das Badeerlebnis ist unvergleichlich, zwar ist Schwimmen im eigentlichen Sinne nicht möglich, denn schon ab einer geringen Tiefe verlor ich beim Hineingehen den Boden unter den Füßen, aufgrund des starken Auftriebes. Auf dem Rücken liegend schwebte ich wie ein Korken auf dem Wasser und paddelte mit Armen und Beinen wie ein Hund durch das sich ölig anfühlende Wasser. Entspannt auf dem Wasser dümpelnd, genoss ich die angrenzenden, spektakulären Felsformationen und den Blick auf das nicht weit entfernte Jordanien.

 

Badestrand am Toten Meer und Blick bis nach Jordanien

Auch die heilsame Wirkung von Totem Meer-Schlamm ist uns beiden bekannt, weshalb wir nicht zögerten uns großzügig mit dem tief schwarzen Schlamm von Kopf bis Fuß einzucremen und ihn in der Sonne trocknen ließen. Als ich die Körperpflege einige Zeit später wieder abwusch, fühlte sich meine Haut leicht seltsam an. Ob es meiner Haut wirklich so gut getan hat, wie oftmals propagiert, kann ich nicht mit letzter Gewissheit sagen, Spaß gemacht hat es aber allemal, nur eine Erfrischung war es bei der Wassertemperatur nicht.

 

fragwürdige Hautpflege mit Schlick

Am folgenden Tag reisten wir zusammen an den wunderschön gelegenen See Genezareth, im Norden des Landes. Wie eine Oase scheint das satte Grün um den See herum und an den Ufern des Jordans mitten in der Wüste zu wachsen. Das machte hier die Erfrischung in den Fluten zu einem ganz besonderen Erlebnis.

der erfrischende Jordan
Badespaß mit Mae

Inmitten dieser grandiosen Umgebung befällt mich plötzlich eine Traurigkeit: ich denke an meine kleinen Patienten, die niemals diesen Ort erleben können, niemals in einem Fluss baden werden…

Am Ende des Tages bin ich müde, erschöpft und erfüllt wieder nach Jerusalem zurück gefahren, hatte jedoch nicht das Gefühl, den Ort in seiner Gänze erfasst zu haben, sondern nur einen ersten Eindruck bekommen zu haben, der mich neugierig auf mehr gemacht hat und ich bin mir sicher, ich werde während meines Jahres hier noch viel in dieser Gegend wandern und unternehmen.

Am folgenden Nachmittag fuhr ich mit Linda, einer norwegischen Freiwilligen nach Tel Aviv, wo wir erst den Sonnenuntergang und Badespaß am Strand erlebten und dann noch etwas das Flair des besonderen Nachtlebens der Stadt genossen.

 

Sonnenuntergang am Strand von Tel Aviv

Weit weg scheinen hier die politischen Probleme und die Religiosität, denen man in Jerusalem scheinbar auf Schritt und Tritt begegnet. Männer mit Kippa, Hüten und Schläfenlocken sieht man hier nur wenige, dafür umso mehr junge Leute, Bars und Clubs, die ein Nachtleben genießen, das mindestens so laut und leuchtend ist, wie in den europäischen Metropolen.