Reunited in Amsterdam und das rasche Ende der Reise

In Paris traf ich die finale Entscheidung noch einen aller letzten Abstecher nach Amsterdam zu machen, um meinen 12-jährigen Bruder Milan und meinen Vater zu überraschen. Die beiden verbrachten die Sommerferien mit dem Fahrrad in Schottland und fuhren erst die Äußeren Hebriden hoch und dann bis an die Nordspitze des Landes, insgesamt mehr als 3100km (Reiseberichte darüber unter www.milanvenus.de).

In einigen Tagen würden sie mit der Fähre ebenfalls in Amsterdam eintreffen.

Nach einem emotionalen Wiedersehen am Fährhaften in Amsterdam und einer kurzen Stadterkundung im Nieselregen starteten die letzten knapp 500 km im Team.

Für mich ein völlig anderes Reisegefühl nicht mehr ausschließlich auf mich allein gestellt zu sein.

Am Montag 12. August erreichten wir gemeinsam müde, erschöpft aber dennoch glücklich und erfüllt unser zu Hause. Die finale Etappe war für uns ebenfalls eine letzte gemeinsame Herausforderung: von Coesfeld bis nach Göttingen waren es fast 290 km welche wir nur mit nur einer außerordentlich kurzen Nacht für uns drei bestritten. Mit ausreichend Kalorien und Wasser ausgestattet fuhren wir in die Nacht hinein, auf den kleinen Straßen war kaum Verkehr, so konnten wir nebeneinander fahren und uns unterhalten. Die Stimmung nachts ist ganz anders als am Tag und um ein Haar hätten wir fast noch einen rundlichen Waschbären überfahren, der vor uns auf die Straße hoppelte.

Nachdem ich über drei Monate unterwegs gewesen war, freute ich mich auf zu Hause, eine warme Dusche, ein leckeres Essen und einen ruhigen und komfortablen Ort zum Schlafen und natürlich darauf Freunde und Bekannte wiedersehen zu können. Jetzt schaue ich gespannt in Richtung Medizinstudium und hoffe zeitnah auf eine Zusage.

Wiedersehen in Paris

Nach 8354 km kam ich etwas müde und erschöpft in Paris an und ich hatte die große Freude nicht nur meine liebe Freundin Blanche sondern auch nach vielen Jahren ihre Familie wieder treffen zu dürfen.

Der Rückweg

Unter dem Gefühl des Zeitdruckes startete ich meine Rückreise. Wie im Akkord ging es durch Marokko zurück, in Marrakesch, Casablanca und Kenitra traf ich noch marokkanische Freundschaften die ich auf dem Hinweg kennengelernt hatte.

Gastfamilie in Marrakech
Marokkanischer Markt
sandige und abgelegene Landstraßen, übersäht mit Schlaglöchern und unasphaltierten Abschnitten
Thunfischfang in der Straße von Gibraltar

Tarifa – Madrid – Lourdes – Paris

Unter angesichts der etwas expandierten Reise entschied ich mich für die kürzest mögliche Rückroute, die mich direkt nach Madrid und dann über die Pyrenäen nach Lourdes bringen sollte. Bei Festlegung dieser Route hatte ich die sommerliche Hitze im Innenland etwas unterschätzt. Bis in die Abendstunden hinein waren es teils über 40 Grad und auch nachts kühlte es nur wenig ab, hinzu kamen äußerst dünn besiedelte Wegstrecken und ein stetiges auf und ab mit teils unerwartet steilen Passagen.

Um unter diesen Bedingungen Strecke machen zu können und da ein Wetterumschwung nicht absehbar war, entschied ich die frühen Morgenstunden zu nutzen: das hieß um halb 4 morgens aufstehen und los fahren, mittags etwas Pause machen und möglichst vor Sonnenuntergang einen ruhigen Nachtplatz finden.

Vor Sonnenaufgang waren quasi keine Autos auf den Straßen, dennoch kamen mir mehrfach Rennradfahrer entgegen, was mich in meiner Strategie bestärkte.

In Madrid hätte ich gerne etwas mehr gesehen und erlebt, jedoch muss ich gestehen, dass der Aufenthalt eher der Erholung galt als den Besonderheiten der Stadt.

Von Madrid ging es dann über die Pyrenäen in die heilige Stadt Lourdes.

Den Besuch dieser besonderen Stadt widmete ich meiner lieben französischen Freundin Blanche, welche jedes Jahr an einer Wallfahrt nach Lourdes teilnimmt um dort mit weiteren Jugendlichen alten und kranken Menschen ermöglicht diesen Ort zu besuchen. 1858 soll dort die 14-jährige Bernadette die Marienerscheinung gesehen haben, seitdem reisen immer mehr Pilger an diesen Ort und hoffen auf ihre Heilung.

Hinter Lourdes regnete es nach einer für mich endlos lang wirkenden Zeit wieder… wie angenehm es war, das frische Nass auf der Haut zu spüren, dem leisen Geplätscher zu lauschen, den intensiven Waldgeruch zu riechen und nicht mehr diese staubtrockene Luft einatmen zu müssen.

Gerne hätte es noch etwas länger so bleiben können, aber als ich das nächste Mal einige Tropfen vom Himmel fallen sah, war ich bereits kurz vor Paris.

Euphorie und Ernüchterung

Die Tage in Agadir vergingen schnell – nette Begegnungen, nahrhaftes Essen, einen ruhigen und erholsamen Ort zum Schlafen und sogar eine Waschmaschine für meine teilweise schon etwas muffig riechende Wäsche sorgten für einen unvergesslichen Aufenthalt. Doch in diesen Tagen realisierte ich erstmals richtig, dass diese Strecke von über 5000 km nur der Hinweg war und ich auch alles wieder zurück fahren müsste, was gerade in den Monaten Juli und August mit einigen zusätzlichen Strapazen durch brüllende verbunden sein könnte…

Abends im Bett ließ ich die Reise revupassieren: 5134 km Wegstrecke, Schweiß, Herzblut, harte Arbeit, Disziplin, Durchhaltevermögen, Spaß, Erfahrungen, Hilfsbereitschaft, Freundschaften, Leidenschaft  und der klare Glaube an das anvisierte Ziel und der unablässige Wille es zu erreichen.

Einkaufszentrum in Agadir
Einladung zu marokkanischem Salad und Tee am Wegesrand
Picknick
Sonnenuntergang über Agadir
Laute Musik, Shishageruch und grelle Lichter – Willkommen in einem arabischen Nachtclub
Pascal in seiner Arbeitskleidung – Richterrobe
Steigungen und fantastische Aussicht
Abgelegene Wüstenstraße
Bergdorf zwischen Marrakech und Agadir
Marrakech
Fotos am Straßenrand
Verzierung eines Tellers mit meinem Namen – ein weiteres Geschenk
Selfis am Straßenrand
Sardinenverkauf am Wegesrand
Ein langer, weiter und anstrengender Weg
Verlassene Häuser
Fischfang mit einfachsten Mitteln
Traditionelle arabische Bekleidung

Aufbruch in Agadir und der Beginn eines ewig langen Rückwegs

Nach etwas Erholung, einigen pompösen Partybesuchen mit lauter arabischer Musik folgte noch ein Presseinterview auf französisch.

Dazu hatte mir meine Gastfamilie in Agadir durch ihre guten Connections verholfen. Für das Interview traf ich mich mit dem Reporter nachmittags in einem kleinen Café, der sich wirklich Zeit nahm für die Fragen. Ich war ebenfalls wie abgesprochen samt meinem gepackten Fahrrad und entsprechender Bekleidung erschienen, um noch ein Foto für den Artikel zu schießen.
Obwohl ich die dem Interview folgenden Aufnahmen nie zu Gesicht bekam, hatte ich vertrauen in die Expertise des Journalisten. Umso erstaunter war ich als der erste Artikeln erschien, aber seht selbst:

Artikel 1

Ich bin mir sicher dem Journalisten war bei der Verwendung des Bildes nicht bewusst, dass er dabei die Urheberrechte Ullrich Schuberts verletzte, ganz im Gegenteil sehe ich die Verwendung als eine Hochachtung der fotografischen Leistung an.

Artikel 2 und Artikel 3 

Bleibt also nur noch die Frage offen seit wann ich in Hannover lebe und dort im 2. Jahr Medizin studiere? Grundsätzlich kann ich mich mit dieser Aussage anfreunden, gibt mir aber schon recht arg an meinem Französisch zu zweifeln…

Am nächsten Tag brach ich dann in Herrgottsfrühe auf, um auf einer anderen Route wieder nach Marrakech zu gelangen.

Das arabische Mallorca Agadir

Von Casablanca aus ging meine Route noch etwas weiter an der Küste entlang und durch die recht touristischen Orte Al Jadida und Safi. Zwischen den größeren Küstenorten fand man jedoch kaum Infrasruktur. Manchmal überkam mich wirklich ein bizarres Gefühl, wenn ich so einsam mit meinem Fahrrad durch die karge, heiß-trockenen Wüstenlandschaft tuckerte. Zwischen den winzigen Siedlung fand man manchmal Schäfer mit einigen Schafen, die die dürren Halme zwischen Sand und Steinen abknabberten. Ganz egal ob arm oder reich die Leute hier wirken nett und fröhlich. Oft winkten oder grüßten sie mich freundlich, immer wieder hielten Leute für mich an und baten mir Wasser, Saft oder einen Happen zu essen an oder fragten mich nach einem gemeinsamen Selfi am Straßenrand. Von Safi aus bestritt ich 160 km brüllendheiße Wüstenstraße, bis ich am Nachmittag etwas erschöpft aber sehr glücklich in Marrakech angelangte. Ursprünglich hatte ich geplant, nach meiner Ankunft und etwas Pause in Marrakech, diese recht touristische Stadt zu besichtigen und dann den Rückweg anzutreten. Letztlich kam aber alles anders. In Marrakech war es mir zu warm und außerdem hatte ich das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung nach den vergangenen Etappen. Deshalb gelang mir das Sightseeing, so wie es massenweise anderen deutsche Touristen hier zu tun pflegen denkbar schlecht. In anderen Worten sah ich quasi gar nichts von der Stadt, ich schaffte es gerade einmal etwas über den zentralen Marktplatz zu laufen bis hin zur völlig überfüllten Altstadt. Doch ich lernte viele nette Marokkanerinnen und Marokkaner kennen, wurde in die ulkigsten Restaurants eingeladen und musste unzählige Heiratsanträge ablehnen. Gut gestärkt entschied ich dann noch bis nach Agadir weiterzufahren. Eine ziemlich anstrengende, steile und heiße Strecke, aber des Weges halber hat sich die Weiterfahrt gelohnt. Jetzt bin ich nach über 5100 km in Agadir angekommen; eine pompöse, touristische Stadt, die mich eher an Mallorca erinnert, als an eine arabische Küstenstadt. Hier habe ich das große Glück für zwei Nächte in einer sehr wohlhabenden Gastfamilie unterkommen zu können.
Für den Rückweg habe ich eine Alternative, nicht aber jedoch weniger anstrengende Rückroute ausfindig machen können die mich nochmals nach Marrakech bringt, denn ich möchte dieser besonderen Stadt nach dieser unglaublichen Anreise noch eine 2. Chance geben und die Menschen die ich dort kennen gelernt habe ebenfalls wiedersehen. Auch werde ich in Casablanca, Rabat und einer kleinen Stadt Namens Kenitra auf meinem Rückweg nochmals halt machen um die hier geknüpften Freundschaften zu festigen. Diese vielen Begegnungen und das intensive Kennenlernen des Landes aufgrund der Durchquerung mit dem Fahrrad geben mir das Gefühl einer starken inneren Verbindung zu Marokko und ich kann mir gar nicht vorstellen, dass morgen der Rückweg beginnt, am liebsten wäre ich noch endlos weiter gefahren…

Casablanca – Stadt der Gegensätze

Nach einigen Tagen Aufenthalt in Rabat fuhr ich in einer gemächlichen Etappe entlang der Küste nach Casablanca. Casablanca ist mit ca. 3,3 Millionen Einwohner die größte Stadt Marokkos und verfügt über einige sehr beachtliche Sehenswürdigkeiten.
In Casablanca befindet sich direkt an der Atlantikküste die Hassan II Moschee, die fünftgrößte Moschee weltweit, welche mit ihrem 210 Meter hohen Minarett das höchste religiöse Bauwerk der Welt darstellt. Doch die Strecke von Rabat nach Casablanca hat mich einiges an Nerven gekostet, denn auf dem Weg dorthin, sowie auch in Casablanca selber sieht man jede Menge an Armut, Elend, Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und eine gewaltige Ansammlung an Frustration. Zerfallene Bungalows ohne Fenster, Hütten aus Plastik und Wellblech, Müllberge und gespenstische, unvollendete Plattenbauten in denen Menschen zusammengerecht lebten zeichneten das Strassenbild hierher. Dazwischen Kinder die zwischen Staub und Dreck spielten, abgemagerte Tiere die nach etwas Nahrung suchten und Menschen die ihren Müll vor der Haustür verbrannten. Ab und zu wehte ein heißer feuchter Wind zu mir herüber, gemischt mit einem Geruch von verbranntem Plastik und Verwesung der mir auf meinem Fahrrad fast den Atem verschlug. Als ich in der Stadt eintreffe sehe ich den hohen Moscheeturm schon von weitem, als ich mich langsam nähere stoppte ich plötzlich kurz. Vor mir das Meer und die riesige Moschee, rechts von mir eines der edelsten und teuersten Kaufhäuser des Kontinents mit maßlos teurer Kleidung u d Werbung um mit tropischen Fischen in einem Aquarium zu tauschen, während sich links von mir wohl eines der ärmsten und elendesten Viertel der Stadt befindet, gebaut aus einfachsten Materialien und umgeben von den sogenannten “Mauern der Schande”. Ich schiebe von hier aus mein Fahrrad angestrengt etwas weiter durch die laute, hektische, schmutzige Straße bis ich vor dem riesigen Bauwerk stehe, wo Familien für Erinnerungsfotos in der hellen Sonne posieren. In meinen Gedanken versunken mache ich mich auf in die Altstadt, wobei ich immer wieder schockiert wie dicht Arm und Reich hier beieinander liegen, wie gut es uns in Europa doch geht.

Marokko

Nach 3 Tagen Fahrt durch Afrika bin ich nun in Rabat, der Hauptstadt Marokkos angelangt. Von hier soll es noch weiter nach Casablanca und Marrakech gehen, bevor ich meinen Rückweg bestreite. Die paar Tage hier in Afrika fühlen sich an wie Monate, es prasselten einfach in diesen paar Tagen unglaublich viele neue Eindrücke auf mich ein.

Wohin geht die Reise?

Gut erholt startete ich in Lissabon und fuhr voller Freude und Erfüllung innerhalb von 3 Tagen nach Tarifa, der südlichste Ort Europas. Doch wie geht es dann weiter? Von Tarifa kann man Afrika schon sehen, ein unwirkliches Gefühl. Also entschied ich mich für die Fähre nach Tanger, eine ruhige Hafenstadt in Marokko um meine Reise fortsetzen zu können.

Herzlichkeit in Lissabon

Lissabon werde ich nicht nur mit einem unglaublichen Ziel für eine Fahrradreise verbinden, sondern auch als eine Stadt für ungeahnte Begegnungen. Während meines Aufenthaltes traf ich bis dahin unbekannte Verwandschaft in Lissabon und eine alte Schulfreundin meines Vaters welche ebenfalls mittlerweile hier wohnt. Außerdem traf ich überraschenderweise Alienor, die Schwester meiner lieben französischen Austauschschülerin Blanche, die momentan in Landolfshausen auf dem Bauernhof ein Praktikum macht und bei meinen Eltern wohnt.

In anderen Worten: die Reise verging bisher wie im Flug und ich war selten sonst so glücklich und erfüllt wie in diesen Wochen, weshalb es für mich außer Frage stand, noch etwas weiter zu fahren.

Kilometer Nummer 3276 und der Moment wenn Träume zur Wirklichkeit werden

Gestern Abend erreichte ich müde, erschöpft aber unglaublich glücklich die langersehnte Stadt “Lisboa”.

Die letzten Etappen waren lang und die Sonne hat hier unten schon ganz gut Kraft, was sich insbesondere bei den Steigungen bemerkbar machte. Ein ausgeblichenes Top und eine Salzkruste, gemischt mit Sonnencreme und Strassenstaub auf der Haut sind davon die Folge. Mein derzeitiges Gefühl sagt mir, dass ich eine gute Entscheidung bei der Wahl meines Zieles getroffen hatte, als ich mein Fahrrad bei meiner Ankunft an der hell beleuchteten Uferpromenade entlangschob mit Tränen der Freude und in den Augen, immer noch nicht richtig begreifen können wo ich tatsächlich war.

Brasilianische Freundschaft

Nach 3 Tagen Aufenthalt wollte ich mich eigentlich wieder auf den Weg begeben Richtung Zielstadt Lissabon. Doch dann lernte ich die Brasilianer Miriam und Fernando kennen, die zu einem Psychoanalyse-Seminar in Portugal waren und noch etwas Zeit in Porto verbrachten. Sie waren beide recht beeindruckt von meiner Tour und was ich sehr erstaunlich fand war, dass Miriam schon aus weiter Ferne, als ich mein Rad gerade über eine überfüllte Brücke schob, erkannte, dass ich eine besondere Beziehung zu diesem Vehikel hatte.

In ihrer Nettigkeit luden sie mich zu einem üppigen Mittagessen ein, danach sprangen wir in den Duero-Ricer, der nicht weit von hier ins Meer mündete und da ich aufgrund der intensiven, gemeinsamen Zeit noch länger blieb, ermöglichten sie mir sogar auf dem Klappsofa in ihrem Recht geräumigen Hotelzimmer zu übernachten.

In Freundschaft verabschiedeten wir uns am Morgen und mit dem Versprechen uns wenn die Zeit gekommen ist wieder zu sehen.

Daraufhin verließ ich Porto, was umständlicher als erwartete war und mich einzigst Kraft und Nerven kostete. So entschied ich noch eine Nacht am Atlantik zu verbringen, Strand und Wellen zu genießen bevor mich die Euphorie zum nächsten Ziel reißen würde.

Nach 2861 km Gesamtstrecke endlich in Porto

Meine gestrige Etappe führte mich von einem kleinen Campingplatz in Chauves, wo ich mich einen Tag lang regenerierte bis nach Porto.

In anderen Worten: 200km Hitze, Staub, Steigung, Euphorie und zu guter letzt der Atlantik und eine sehenswerte Stadt.

Leider versagte der Akku meines Mobiltelefons kurz vor meiner Ankunft in der Stadt und ließ sich aufgrund eines mürben Kabels auch nicht mehr laden, weshalb ich kein wirkliches Ankunftsfoto machen konnte. Ein Beweisbild mit Fahrrad werde ich morgen aber ganz sicher noch aufnehmen.

Als ich meinen Ankunftsrausch ausgelebt hatte war es schon recht spät abends. Ich kann irgendwie immer noch nicht realisieren wo ich bin, auch nach dem Tag heute nicht – irgendwie ging alles so schnell und schmerzlos.

Die Nächte hier verbringe ich in einem einfachen, preiswerten Hostel, in einem leeren Mehrbettzimmer. Es tut nach den Wochen des Reisens wirklich gut, ein kleines eigenes Zimmer zu haben und etwas Privatsphäre. Netterweise half mir Isabella, eine junge Portugisin die Herberge ausfindig zu machen und geleitete mich sogar bis zur Unterkunft in der sorge ich würde sie ohne Handy nicht finden. Dafür bin ich ihr unglaublich dankbar.

Jetzt wo ich schon bis hier her gefahren bin, muss ich es auch genießen und möchte mir etwas Zeit für die Stadt lassen, andererseits zieht es mich zielwärts, denn Lissabon ist plötzlich gar nicht mehr so weit weg…

Ankunft in Portugal

Landschaftlich war die Durchquerung Nordspaniens traumhaft schön. Die meiste Zeit über war der Weg bergig steil bis hügelig.

Auf meiner Fahrt, war ich immer wieder überrascht davon, wie dünn besiedelt der Norden ist und wie wenig Infrastruktur ich in den ländlicheren Regionen vorfand.

Übernachtung in einem spanischen Landhaus
Übernachtung in einer spanischen Pilgerherberge – Gastgeber Maya und Miguel

Gestern Abend, nach einer langen Tagesetappe und insgesamt über 2500 km Wegstrecke überquerte ich die portugiesische Grenze in völliger Einsamkeit auf einer kleinen Passhöhe.

Mein nächstes Ziel wird die Küstenstadt Porto sein, und obwohl diese nun zum Greifen nahe scheint, ist es noch ein ganzes Stück Arbeit bis dahin, denn die Strecke, welche ich heute schon hinter mir habe ist wohl die bergigste und steilste meiner kompletten bisherigen Reise und der Weg zieht sich noch ganz schön ordentlich

Von eiskalt zu brüllend heiß – endlich in Spanien

Als gestern morgen mein Wecker klingelte regnete es nahezu so wie am Vortag, war eiskalt und meine Vorfreude nun über eine kleine Passstraße nach Spanien zu fahren hielt sich in Grenzen.

Doch als ich alles gepackt hatte und mich auf den Weg machte wurde der Regen zunehmend weniger und meine Laune immer besser.

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen ein Foto an der Landesgrenze zu machen, aber es gab wirklich nichts zu sehen – ich realisierte erst dass ich in Spanien war, als an einer kleinen, schon etwas heruntergekommen Tankstelle eine Schlange französischer Autos wartete um billigen Sprit zu tanken.
Ab da an ging die Straße steil und kurvenreich bergauf. Ohne wirklich zu wissen, was mich erwarten würde, fuhr ich in euphorischer Stimmung die Passstraße herauf und bei der Abfahrt kam sogar die Sonne zum Vorschein und es wurde schlagartig brüllend heiß.

Was mir besonders in Spanien auffällt sind die riesigen Felder und Weiten. Zwischen den Orten ist kaum Besiedlung und nur die wenigsten Ortschaften, die ich durchquerte verfügten über größere Einkaufsläden.

Auch heute verlief meine Route durch bergiges Terrain, doch die Anstrengungen wurden mit spektakulären Blicken belohnt.

Jetzt liege ich in meinem Zelt, auf einem kleinen Stück ebener Wiese. Von hier genieße ich gerade noch die untergehende Sonne, hinter einigen Weinbergen und freue mich auf morgen, auch ist es mild und warm, sodass bald auch die letzten nassen Sachen bald wieder trocken sein werden.

Hungergefühle

Den heutigen Tage habe ich heute unweigerlich auf dem Campingplatz überdauern müssen, da es in Strömen regnete und unerwartet kalt war.

Den Vormittag verbrachte ich mit einem älteren Ehepaar aus Toulouse in ihrem Wohnmobil, wo es trocken und warm war. Das war schon nett genug, doch aus Mitleid mit mir, versorgten sie mich mit jeglichen Leckereien – Joghurt, Baguette, Käse, Obst, Saft,… ich konnte mich bei all den Köstlichkeiten nur schwer zurück halten und ihnen gefiel es mich zu füttern. Nebenbei unterhielten wir uns angeregt, sie waren sehr interessiert an meinen Erfahrungen in Israel und der Arbeit mit den schwerkranken Kindern, da sie selbst einen behinderten Sohn hatten.

Als das Wetter etwas freundlicher wurde, schrieb ich auf einer überdachten Terrasse noch etwas Tagebuch und hing einige meiner nassen Klamotten zum trocknen auf.

Trotz der exzellenten Verköstigung nagte an mir ein fortwährendes Hungergefühl, sodass ich spontan entschied in den nächsten Ort zu trampen um etwas zu essen zu besorgen – in nahezu leeren, verregneten Straßen fand ich nach etwas Suchen schließlich eine Pizzeria!

Solch eine Freude, ich verschlang die Pizza und machte mich im strömenden Regen auf den Weg zum Campingplatz.

Morgen wird es mit Sicherheit wieder besser werden…

Die Pyrenäen – Wind und Regen

Die letzte Nacht verbrachte ich gemütlich auf einer abgelegenen Wiese am Rande einer kleinen Ortschaft hinter Mont de Marsan. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen schon am frühen Morgen in den Tag zu starten, doch als mein Wecker mich aus dem Schlaf riss, trommelten die Regentropfen nur so auf mein Zelt. Also entschied ich mich noch etwas zu entspannen und auf Besserung zu warten.

Im Laufe des Vormittags ließ der Regen kurzweilig nach, sodass ich in die Ortschaft Orthez am Rande der Pyrenäen fuhr. Vor einem Einkaufszentrum traf ich ein älteres Ehepaar, welche ebenfalls auf einer längeren Radreise unterwegs waren. Sie starteten ebenfalls von zu Hause, nahe Paris und fuhren den Jakobsweg mit dem Fahrrad entlang. Wir erzählten allesamt begeistert von unseren bisherigen Reiseerfahrungen und ließen noch ein gemeinsames Foto machen (Der Fotograf musste für die Aufnahme leider im Regen stehen, vielleicht erklärt dieser Umstand das Bild).

Als ich mit meinem Einkauf fertig war entschloss ich zu einen Campingplatz einige Ortschaften weiter zu fahren und es damit für heute zu belassen, um die Kräfte für bessere Bedingungen zu sparen, da es heftigst regnete. Als ich in Limoges meine Sachen neu sortiert hatte, dachte ich eigentlich meine warme Regenjacke sei ab jetzt nur noch unnötiger Ballast, aber scheinbar hatte ich mich damit geirrt. Ich wurde heute nass bis auf die Knochen und war sehr froh, etwas warmes überziehen zu können.


Auch der auf der Karte recht kurz erscheinende Weg zum Campingplatz gestaltete sich etwas kräftezehrender als gedacht, da es immer wieder kurvenreiche Straßen ultrasteil bergauf ging und der Wind dazu noch kräftig wehte… Doch all die Anstrengungen wurden durch phänomenale Aussichten belohnt.

Hoffentlich wird es morgen besser.

Warmer Regen

Viele Grüße aus dem Städtchen Mont de Marsan! Letzte Nacht hatte ich das große Glück mein Zelt in einem etwas verwunschenen Garten aufstellen zu dürfen.

Leider begann es in der Nacht stark zu regnen und auch an Vormittag wurde es kaum besser, sodass ich erst spät meine Route weiter fortsetzte, da ich es vorzog einigermaßen trocken zu bleiben.

Einige wenige Male zeigte sich heute auch die liebe Sonne und die kleinen Ortschaften an der Straße wirkten alle sehr urig. Trotzdem ist meine Vorfreude auf die Pyrenäen und schließlich auf Spanien schon riesig.

Jetzt werde ich noch aus dem Ort herausfahren und bin schon gespannt, was für einen Übernachtungsplatz ich heute Abend ausfindig machen kann.

Motivation am Straßenrand

Manchmal fühle ich mich so verloren, wenn ich mich von einer kleinen Ortschaft zur nächsten kämpfe und das Ziel Lissabon scheint in so weiter Ferne zu liegen. Das Terrain ist mittlerweile wirklich steil, immmerwieder geht es steil bergauf und ich habe das Gefühl kaum vorwärts zu kommen, dann geht es für einige Minuten so steil bergab, dass sich mehr meine Bremsklötze abnutzen, als dass wirklich eine nennenswerte Strecke zurück gelegt wird. Heute erblickte ich urplötzlich dieses Schild, was mich für einen Moment in große Freude versetzte. Scheinbar bin ich auf dem richtigen Weg, obwohl sich die ausgeschilderten Orte nicht einmal auf meiner derzeitigen Landkarte befinden.

Liebe Grüße aus Limoges

Hallo und liebe Grüße aus Limoges! Jetzt sitze ich in einem mittelalterlichen Garten, mit dem Blick auf die Stadt und im Hintergrund die Kathedrale St Etienne, deren Erbauung bereits im 13. Jhd. begann.

Die ersten 1400 km sind nun bereits geschafft und nach den ersten Tagen im Regen scheint nun die Sonne, sodass ich die letzten Tage gut voran gekommen bin. Von Chalons-en-Champagne fuhr ich über Troyes nach Auxerre und weiter bis in den kleinen Ort Clamency, wo ich einen ruhigen und angenehmen Campingplatz vorfand. Mit 200 km war dies die bisher längste Etappe meiner Tour. Von dort ging es am nächsten Tag weiter nach Nevers, von dort an wurde es wirklich unerwartet bergig und steil. Weiter ging es über St-Amand-Montrond bis in den kleinen Ort Chateaumeillant, wo ich einen ruhigen Zeltplatz für die Nacht fand, nach knapp so vielen Kilometern wie am Vortag. Gestern zählte ich abends zwar nur 140 km, doch war diese Etappe bis kurz vor Limoges mindestens genauso anstrengend, wie die vorherigen aufgrund der zahlreichen Steigungen. Die letzte Übernachtungsstelle war ausgesprochen schön, ruhig, einsam und an einem Weiher gelegen.

Von dort erreichte ich heute früh nach Limoges, mein erstes größeres Etappenziel und werde den Tag als Pause heute hier verbringen und mich dann weiter in Richtung Perigueux aufmachen. Auch steigt mit jedem Kilometer die Vorfreude auf die Pyrenäen und ich bekomme langsam auch eine Vorahnung davon, wie warm es da unten werden wird. Bevor es jetzt aber mit irgendetwas weitergeht, muss ich erstmal meinen Hunger in den Griff bekommen, denn der bleibt nunmal leider nicht aus…

An dieser Stelle möchte ich mich auch nochmals ausdrücklich bedanken, für all die vielen netten Nachrichten, Kommentare und Anrufe. Es freut mich sehr, dass so viele Menschen hieran Anteil nehmen und natürlich freue ich mich mich auch sehr, dass schon so viele etwas für das Projekt gespendet haben. Ihr seid eine super Motivation!

Lissabon will erkämpft werden

Hallo, und liebe Grüße aus Chalons en Champagne. Ich sitze momentan in einer kleinen überdachten Imbissbude eines Campingplatzes und esse eine Portion Pommes die mir der Kellner netterweise spendierte.

Selfi mit Kellner, nachdem ich meine Pommes verschlungen hatte

Leider regnet es seit meiner Abreise ohne Unterlass, sodass ich nicht so viele Kilometer machen konnte, wie ich es mir eigentlich gewünscht hatte. Nichtsdestotrotz war es bisher eine lustige und erlebnissreiche Zeit. Es scheint so, als hätten die Leute unterwegs sehr viel Mitleid. Schon am ersten Tag musste ich meinen Hinterreifen in Witzenhausen flicken, da er plötzlich unerwartet platt wurde. Gottseidank half mir ein Herr in seiner Garage den Reifen zu demontieren, als er mein unbeholfenes Hantieren im Regen erblickte. So eine Nettigkeit. Die erste Nacht zeltete ich – es war eiskalt und dementsprechend unerholsam. Am nächsten Morgen war das gesamte Zelt mit einer dicken Eisschicht überzogen.

Eisüberfrorenes Fahrrad

So kam es dazu, dass ich am folgenden Abend von Tarik aufgenommen wurde, der eigentlich aus Hannover kam und extra für ein Seminar über Kaffeemaschinen bis nach Dillenburg reiste. Am folgenden Abend hatte ich das große Glück bei einigen Studenten in einer unglaublich großen Wohnung unterzukommen, es war ein sehr schöner Abend obwohl ich leider schon todmüde war. Sie baten mir sogar an auf meinem Rückweg nochmals bei ihnen vorbei zu kommen.

Luxus eines eigenen Zimmers und Bett

In Luxemburg kam ich in einer arabischen Familie unter und durfte dabei gleich in den Genuss eines gemeinsamen Ramadanessens kommen. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die Herzlichkeit der Menschen auf meinem Weg bedanken, denn eins ist klar, ohne ihre Unterstützung hätte ich die nass-kalten Tage nicht gesund überstanden.
Jetzt genieße ich die Durchquerung Frankreichs. Hügelige Straßen und freundliche Menschen.

Verdun
Soldatenfriedhöfe im Umkreis der Stadt zum Gedenken der gefallenen Soldaten im 1. Weltkrieg

Mehrfach wurde mir unterwegs heißer Tee angeboten, und die letzte Nacht stellte mir Dominique aus Verdun seinen Wohnwagen zur Übernachtung zur Verfügung, den er sonst vermietete… Ich bin jetzt schon so überwältigt von all den Begegnungen und hoffe dass diese bedingungslose Freundlichkeit zu diesen Menschen zurück kommen wird. Die erfahrenen, herzlichen Freundlichkeiten werde ich
weitergeben an andere Menschen, die auch Hilfe benötigen.

Zelt und Fahrrad auf einem nahezu leeren Campingplatz