Der erste Arbeitstag

Heute wurde den Freiwilligen die Station gezeigt, auf der sie demnächst tätig sein werden. Ich unterstütze auf einer Station die insgesamt 8 Kinder im Alter zwischen 4 und 14 Jahren betreut, welche alle an verschiedenen Arten von Muskeldystrophien leiden. Ihnen ist es nicht möglich ohne Fachpersonal das Krankenhauszimmer zu verlassen. Bis auf eine Ausnahme sind alle von ihnen auf ihren Rollstuhl angewiesen. Auch Essen und Atmen können sie nicht aus eigener Kraft, sodass sie durch einen künstlichen Zugang in der Luftröhre konstant beatmet werden müssen und ebenfalls auf eine künstliche Ernährungsform angewiesen. Die Pflege, Versorgung und medizinische Betreuung dieser besonderen Patienten erfordert ausgesprochen viel Liebe, Mitgefühl und Verantwortung, wozu jeder Freiwillige auf der Station seinen Beitrag versucht so gut wie möglich zu leisten. Sprechen und deutliche Mimik im Gesicht zeigen können nur 2 Kinder, manchen von ihnen sind sogar komplett stumm und können nur noch Augen und wenige Finger bewegen, sind aber trotzdem im Kopf ganz klar. Die ganze Zeit während ich mich um diese Kinder kümmerte fragte ich mich, was diese wohl sagen und erzählen würden, wenn sie einmal die Möglichkeit dazu hätten und versuche, ihre wenigen Signale zu lesen. Mich beschäftigt weiterhin die Frage, wie es für diese Kinder wohl sein mag, mit keinem seine Gedanken und Gefühle teilen zu können, sich nicht bemerkbar machen zu können bei Hunger, Durst oder Schmerzen, sondern trotz vollem Bewusstsein, maximal hilflos und auf andere Menschen angewiesen zu sein. Dieser erste Arbeitstag hat mich die große Bedeutsamkeit erfahren lassen, die Ansprüche und Bedürfnisse eines jeden Menschen wahrzunehmen, zu achten und damit vorsichtig und verantwortungsvoll umzugehen, gerade wenn mein Gegenüber mir völlig ausgeliefert ist. Trotz dieser großen Verantwortung freue ich mich auf meine weitere Einführungsphase und Arbeit, denn es ist ein erfüllendes Gefühl zu wissen, den Kindern einige winzige Lichtblicke in ihrem Alltag verschafft zu haben und ihnen Aufmerksamkeit geschenkt zu haben, die sie sich so sehr wünschen.